„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.“ (Rosa Luxemburg)

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05-03-21 11:50:00,

Zum 150. Geburtstag einer großartigen Revolutionärin. Dieser gerne und viel zitierte Satz stammt von Rosa Luxemburg. Publiziert wurde er im Jahr 1918. Ein Jahr später wurde sie ermordet, von Freicorps, die aus ihrem reaktionären bis faschistischen Weltbild keinen Hehl gemacht hatten. Würde sie dennoch an ihm festhalten? Was würde Rosa Luxemburg zu all dem sagen, was heute in der Linken passiert, also nicht nur in der Partei, sondern auch außerhalb von ihr? Von Wolf Wetzel.

„Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“, wird von vielen zitiert und zu sehr verschiedenen Anlässen vorgetragen. Leicht dahingesagt ist ein solcher Ausruf, wenn man selbst in der Minderheit ist, die Macht gegen sich hat und jenen, die das Meinungsmonopol innehaben, ein bisschen (mehr) Freiheit abringen möchte.

In diesen Fällen appelliert man an den bürgerlichen Staat und auch an sein Versprechen, die Rede- und Meinungsfreiheit auch denen zu gewähren, die den bürgerlichen Staat ablehnen. In diesen Fällen ist der Satz zwar immer noch richtig, aber nicht wirklich eine Herausforderung, die Rosa Luxemburg damals zu einer revolutionären Maxime erhoben hat. Denn die eigentliche Zumutung, die in diesem Satz steckt, bezieht sich nicht auf die Anderen, die einem das Wort verbieten, die unpassenden Meinungen zum Anlass politischer Verfolgung nehmen.

Der berühmte Satz ist einer Arbeit entnommen, die sich mit der russischen Revolution auseinandersetzt, als diese 1918 gesiegt hatte und die einst Verfolgten nun selbst Verfolger werden konnten, also nicht mehr um Freiheit betteln oder ringen mussten, sondern sich in der privilegierten Position befanden, sie (anderen) zu „gewähren“. Rosa Luxemburg richtet also diesen Satz vor allem an die eigenen Genoss*innen, die heftig darum stritten, wie es weitergeht, was die Revolution voranbringt, was ihr schadet, was der nächste Schritt sein muss, was in die Sackgasse führt.

„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit‘, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit‘ zum Privilegium wird.“
(Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution, in: dies.: Gesammelte Werke, Bd. 4, Berlin 1974, S. 359)

Sie wollte damit einen Maßstab setzen, für die Art und Weise,

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