Jagd auf die Unbequemen

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05-03-21 12:12:00,

Zwei Worte waren es, welche die deutsche Öffentlichkeit in eine gehörig empörte Erregungsgesellschaft katapultierten, wenigstens für eine geraume Zeit. Zudem hatten sie das Potenzial, zum Unwort des Jahres gekürt zu werden. Doch keine Angst: Gegenwärtig ist von einer gesellschaftlichen Erregung — zumindest leitmedial und damit einigermaßen öffentlichkeitswirksam — nichts zu spüren, obwohl sich ein außerordentlicher gesellschaftlicher Umbau ereignet, der auf bevormundendem Gesundheitsterror und einer politisch-medialen Gesundheitsreligion beruht.

Bei den wenigen derzeit noch möglichen Begegnungsstätten im öffentlichen Raum — in der Schlange beim Bäcker, im Park, an der Haltestelle — sind allerdings durchaus einige andere, sehr kritische Töne der sich Begegnenden vernehmbar. Offenbar nicht grundlos schürt deshalb ein gesundheitspolitischer Scharfmacher Markus Söder die Furcht: „Aus bösen Gedanken werden böse Worte und irgendwann auch böse Taten.“

Dieser Tage schläft das Gros der bundesdeutschen Gesellschaft aber (noch) gut und fest, die wenigen von Schlafstörungen Geplagten erhalten unaufhörlich politische, private und öffentlich-rechtliche Sedativa. Es scheint sich nämlich seit beinahe einem Jahr in der bundesdeutschen Gesellschaft nur noch eine einzige Frage zu stellen. Es ist Luthers alte, nur ein wenig nuancierte Frage: Wie also bekomme ich eine gnädige Göttin?

Die Frage wird umso drängender, seit sich die gewisse Dame „extrem genervt“ zeigt. Auch das Regieren ist letztlich kein Vergnügen, noch immer nicht. Die individuelle Unterwerfung ist noch immer unvollkommen. Die gut Schlafenden erfreuen sich zwar seit fast einem Jahr an „sozialer Distanz“, sind offen für digitale Technologien zur Überwachung, isolieren sich in Wohnungen und Häusern, entledigen sich ihrer Freundschafts- und Liebesbeziehungen, lassen sich unverschuldet in Arbeitslosigkeit und Berufsverbot zwingen, geben politische und religiöse Überzeugungen preis, legen sich und gänzlich unverdrossen auch ihren Kindern gesundheitsgefährdende Maskierung an, lassen — natürlich solidarisch — Kranke und Alte in Einsamkeit verrecken, verzichten generös auf Bildung und Kultur, auf Sport wie auf das Leben überhaupt und sind sich sicher — versorgt durch Tagesschau, Amazon und Netflix —: Diese Demokratie ist „quicklebendig“ (Christine Lambrecht).

Sind aber Berührungspunkte mit der deutschen Geschichte tatsächlich als grundlos abweisbar? Der frisch ernannte Reichskanzler Adolf Hitler unternahm es 1933 nicht, die Weimarer Verfassung zu beseitigen, er behalf sich mit der Verhängung eines permanenten Ausnahmezustands. Zwölf Jahre dauerte dieser Ausnahmezustand und machte dabei alle Bestimmungen der formal gültigen Reichsverfassung zunichte. Mit dem Instrument des Propagandaministeriums schuf man sich den nötigen hochwirksamem ideologischen Apparat.

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