Australischer Laborparty-Vorsitzender äußert leise Kritik an Julian Assanges Inhaftierung

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08-03-21 10:59:00,

Bei einer Klausurtagung der Parlamentsfraktion seiner Partei am 2. März wurde der Bundesvorsitzende der Labor-Partei, Anthony Albanese, Berichten zufolge von einem Kollegen gebeten, seine Meinung über die anhaltende Inhaftierung des WikiLeaks-Herausgebers Julian Assange im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh zu äußern.

“Genug ist genug”, soll Albanese geantwortet haben. “Ich habe keine Sympathie für viele seiner Aktivitäten, aber im Grunde kann ich nicht sehen, wem damit gedient ist, ihn in Haft zu halten.”

Die Bemerkungen wurden sofort an die Presse durchgestochen und waren am nächsten Tag in mehreren Medien zu lesen. “Anthony Albanese fordert die Freilassung von Assange”, lautete eine Schlagzeile. Ein weiterer, weit verbreiteter Artikel der australischen Associated Press, den der offizielle WikiLeaks-Twitter-Account teilte, verkündete: “Labor-Führer will Julian Assange freilassen.”

WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einem Gefangenentransporter auf dem Weg zum Westminster Magistrates Court, London, 20. Dezember 2019 (Credit: AP Photo/Frank Augstein)

In den sozialen Medien begrüßten dies zahlreiche langjährige Unterstützer von Assange mit Kommentaren wie: „Danke für den Schritt Anthony“, „Willkommen im Kampf“, und „Endlich ist Labor an Bord“. Der Tenor der Reaktion wurde in einem Twitter-Post zusammengefasst, in dem es heißt: „Die Farce der ‘britischen Justiz’ ist endlich vorbei. Nach einem langen Jahrzehnt hat sich der australische Oppositionsführer für einen [australischen Staats-]Bürger und Journalisten eingesetzt, der wegen seiner Veröffentlichungen verfolgt wird.“

Um es ganz offen zu sagen: Solche Äußerungen haben mehr mit Wunschdenken und selbstverliebter Fantasie zu tun, als mit einer objektiven, politischen Einschätzung dessen, was tatsächlich passiert ist.

Was hat wirklich stattgefunden?

Eine Handvoll wenig bekannter Hinterbänkler der Labor Party hat sich im vergangenen Jahr einer parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppierung unter der Überschrift „Bring Assange Home“ angeschlossen. Die meisten von ihnen haben Assanges Namen nie in der Öffentlichkeit in den Mund genommen. Keiner hat sich gegen die zentrale Rolle von Labor bei der jahrzehntelangen amerikanischen Verfolgung des WikiLeaks-Gründers durch die USA ausgesprochen.

Ihre „Besorgnis“ hat bei keinem dieser Abgeordneten dazu geführt, die derzeitige Position von Labor in Frage zu stellen, die nach wie vor besagt, dass der Versuch, Assange wegen der Aufdeckung von Kriegsverbrechen zu vernichten, eine Angelegenheit des britischen Rechtssystems sei. Nach außen hin ist die parlamentarische Gruppe völlig inaktiv.

Vermutlich war es einer dieser Labor-Hinterbänkler, der Albanese nach Assange fragte. Die Frage, wie in der Presse berichtet, enthielt weder ein Wort der Kritik,

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