Das Corona-Jahr – ein verlorenes Jahr für Frauen und Familien

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08-03-21 08:58:00,

Die Corona-Politik verlangt vor allem den Müttern und den Frauen in Care-Berufen viel ab. Der erste Schritt in eine frauen- und familiengerechtere Zukunft wäre, dass Kinder und ihre Bedürfnisse aus dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegorganisiert werden dürfen. Von Sandra Reuse.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlichte am 17. März 2020 eine Studie zum Lebenserwerbseinkommen nach Geschlecht. Demzufolge verdienen Frauen in Deutschland über das ganze Berufsleben hinweg gerade mal halb so viel wie Männer (in absoluten Zahlen und Preisen von 2015 ca. 830.000 € gegenüber rund 1,5 Mio. € bei Männern). Besonders wenig verdienen Frauen, wenn sie Kinder kriegen und fortan versuchen, sich auch noch um diese zu kümmern. Für Männer hingegen ändert sich durch Nachwuchs quasi nichts. Und auch erwerbstätige Frauen, die kinderlos bleiben, stehen im Lebensverlauf mehrheitlich finanziell gut da.

Am 16. März, also einen Tag zuvor, hatten Kitas und Schulen in Berlin das letzte Mal für lange Zeit geöffnet. Bundesweit startete der Lockdown zur Eindämmung oder gar Bekämpfung der Corona-Pandemie. Hinzu kamen umfassende Kontaktbeschränkungen, die ein Treffen zwischen Erwachsenen mit Kindern, zwischen mehreren Kindern sowie praktisch alle bis dahin gängigen Betreuungsarrangements strengstens untersagten. In der bis heute nicht belegten Befürchtung, Kinder würden das Virus stark verbreiten, wurden diese aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens eliminiert; sogar die Spielplätze wurden abgeriegelt. Vorschläge zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum Aufrechterhalten der kindlichen Psyche oder der elterlichen Contenance gab es wenig, bis auf: „Geht ins Homeoffice.“

Manche Medien priesen sogar die neue Zeit als Gewinn für Frauen und Familien: Endlich sei sie da, die geschlechtergerechte Sorge- und Erziehungsarbeit. Vielschreiber in Leserforen (dem Namen oder Duktus nach offensichtlich überwiegend Männer) lobten Papis, die mit ihren Sprösslingen im Park gesichtet wurden. Warum allerdings zusätzliche unbezahlte Arbeit für Eltern, auch wenn sie vollkommen gerecht aufgeteilt wird, eine Verbesserung für die Mütter darstellen soll, wurde nicht erklärt. Genausowenig, welche Arbeitsteilung denn berufstätige Alleinerziehende wählen sollten.

Um genauer zu sein, es wurde gar nicht gefragt, jedenfalls nicht im öffentlichen, teilweise gebührenfinanzierten Mediendiskurs. „Bleibt gesund! Ihr macht das schon!“, schrieben die Journalistinnen und Journalisten: Eine familienpolitische Grabesstille legte sich über das Land. Kinder wurden zur Privatangelegenheit umdeklariert und das Private ist eben schon lange nicht mehr politisch.

Stiller Rückzug vom Arbeitsmarkt

Es folgte zunächst einmal ein stiller Rückzug in die stille Reserve derjenigen mit den prekärsten Jobs – und das sind nun mal überwiegend Frauen.

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