Gorbatschow wird 90 Jahre – Warum Russland dem Westen nicht mehr vertraut | Anti-Spiegel

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08-03-21 08:37:00,

Gorbatschow wird 90 Jahre alt, das ist eine gute Gelegenheit, auf diese umstrittene Figur der Weltgeschichte zurückzublicken. Das jedenfalls dachte sich das russische Fernsehen und hat einen Rückblick gebracht, wie man ihn im westlichen Fernsehen sicher nicht zu sehen bekommt.

Gorbatschow ist hochumstritten. Im Westen wird er bis heute gefeiert, in Russland wird er mit Verarmung und dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Verbindung gebracht. Ihm wird vorgeworfen, die Sowjetunion verschenkt zu haben, anstatt die deutsche Wiedervereinigung teurer verkauft oder doch zumindest Sicherheitsgarantien für die Sowjetunion herausgeholt zu haben. Der damalige US-Außenminister Baker hatte Gorbatschow seinerzeit in Washington versprochen, die Nato werde sich „keinen Inch“ nach Osten ausbreiten.

In Deutschland wird heute sogar bestritten, dass es dieses Versprechen gegeben hat, dabei kann man es in Akten nachlesen, die die USA vor Jahren veröffentlicht haben. Aber es war ohnehin nur ein mündliches Versprechen, dem Gorbatschow blind geglaubt hat, anstatt es sich in Vertragsform geben zu lassen. Das hätte wahrscheinlich nicht viel am Gang der Geschichte geändert, es wäre nicht der erste Vertrag gewesen, den die USA eiskalt gebrochen haben, wenn sie ihn für nicht mehr nützlich ansehen. Aber es hätte den Betrug des Westens zumindest offensichtlicher gemacht.

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in einem Beitrag der Sendung „Nachrichten der Woche“ in einem Kommentar auf die umstrittene Figur Gorbatschow zurückgeblickt und ich habe den Beitrag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Am 2. März wurde der ehemalige sowjetische Präsident Gorbatschow 90 Jahre alt. Michail Sergejewitsch ist damit der am längsten lebende Führer unseres Landes in seiner tausendjährigen Geschichte. Einerseits ist das ein göttliches Privileg. Auf der anderen Seite gibt es ihm die Möglichkeit, sich nicht nur von außen, sondern auch mit zeitlichem Abstand zu betrachten, was alles viel verständlicher macht.

„Die Sowjetunion ist mein Drama“, sagt Michail Gorbatschow heute. Und er hat Recht. Schließlich ist Gorbatschow heute ein politisches Markenzeichen. Und diese Markenzeichen wird in den Köpfen von Hunderten von Millionen seiner Zeitgenossen und aller nachfolgenden Generationen mit dem Zusammenbruch der UdSSR in Verbindung gebracht werden. Gorbatschow hat die Sowjetunion, das gemeinsame Haus, zerstört. Aber heute würde ich vorschlagen, den Fall aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und das nicht nur, weil man am Geburtstag, wie man sagt, nicht auf ihn spucken sollte, sondern weil Jahrzehnte später viele Dinge bekannt und damit verständlicher geworden sind und sie buchstäblich durch die heutige Erfahrung bestätigt werden.

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