Das fremdgesteuerte Leben

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10-03-21 12:03:00,

Seit Jahrtausenden müssen die Menschen gehorchen. Das weiß jedes Kind. Tu, was Mama dir sagt, dann bist du ein braver Junge. Sei ein liebes Mädchen, und tu, was ich dir sage. Oder auch: Halte deinen Mund, und tu, was man dir sagt. Mund halten, folgsam sein, gehorchen. Es ist überlebenswichtig, ein liebes Kind zu sein, nicht zu hinterfragen und schon gar nicht zu kritisieren. Und sowieso muss man als Kind davon ausgehen, dass Erwachsene gut und lieb sind und recht haben, weil sie doch alles wissen. Das wird sonst gefährlich, gar existenziell bedrohlich. Sollte da etwas Falsches oder Böses sein, muss man das, zumindest als kleines Kind, ausblenden.

Da es aber oft genug etwas Falsches ist, was einem Kind entgegenkommt, muss es vermeiden, das zu erkennen. Es lernt, dass es „aus Liebe“ geschlagen wird und dass Erwachsene mit Bestrafungen nur das Beste wollen. Diese Diskrepanz ist ungesund bis traumatisierend. Die Überlebensstrategie ist ein Notprogramm und sitzt im Unterbewusstsein.

Kaum zur Welt gekommen, lernt das Kind außerdem, dass es sich die Liebe der Erwachsenen, von denen das eigene Überleben abhängt, verdienen muss. Liebe und Zugehörigkeit, Schutz und Geborgenheit müssen verdient werden. So wie es ist, das Kind, ist es nicht gut genug. Auch das wird gelernt. Es macht Fehler, natürlich, Fehler machen ist ein Menschenrecht und gehört zum Lernen dazu. Doch lernt es ganz früh, dass dies nicht in Ordnung ist. Scham und Schuld werden zu einem „normalen“ Lebensgefühl.

Was für tickende Zeitbomben! Nicht zu viel reden, nichts fragen, nichts kritisieren, brav sein, lieb sein, grundsätzlich der Liebe nicht wert sein, sondern sie sich immer wieder aufs Neue verdienen müssen mit Leistung, sich schämen müssen, schuld sein. Und das alles ganz tief im Unterbewusstsein. Eine Art Hypothek fürs ganze Leben.

Als Erwachsener kann man darüber nachdenken, das alles überprüfen und Unnützes über Bord werfen. Wirklich? Kann man über Unbewusstes nachdenken? Wie ist es grundsätzlich mit dem Denken? Ich habe den Eindruck, diese Fähigkeit hat, ganz allgemein betrachtet, in der letzten Zeit doch etwas nachgelassen.

Ganz ehrlich: Ich habe in der Schule alles Mögliche gelernt; das war so lebensfremd, dass ich das meiste nicht mehr weiß, und langweilig war es außerdem. Doch denken gelernt habe ich da nicht. Das ist unterwegs irgendwie passiert. Obwohl man mir im Elternhaus oft genug gesagt hat,

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