Das Leinwand-Planspiel

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10-03-21 12:03:00,

Verpackte Leichen liegen im Massengrab aufgereiht, Personen in Ganzkörper-Schutzanzügen und Uniformierte laufen herum. Dieses Foto wurde Anfang 2020 auf Facebook und Twitter massenhaft geteilt, wie die Nachrichtenagentur AFP damals in einem „Fact Check“ mitteilte. Den chinesischsprachigen Posts zufolge sollen dort Coronatote zu sehen sein, die ihrer hohen Zahl wegen nicht anders hätten bestattet werden können. AFP entlarvte das Bild als Täuschung, es entstammt dem amerikanischen Kinofilm „Contagion“ (deutsch: Ansteckung beziehungsweise Seuche) von 2011.

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Abbildung 1: Screenshot aus dem Film „Contagion“ in einem Facebook-Post, Quelle.

Dabei fällt mehrerlei auf: Zum einen erinnert es daran, dass offizielle „Faktenchecker“ Anfang letzten Jahres noch gegen Panikmache in Sachen Corona vorgegangen sind. Inzwischen versucht man hauptsächlich, Kritiker der Coronapolitik und -impfungen als irrig hinzustellen. Zum anderen illustriert es Vermutungen, von chinesischer Seite sei Angst geschürt worden, um durch „die global einsetzende Panik vor dem Corona-Killervirus sowie das Narrativ einer erfolgreichen chinesischen Pandemiebekämpfung“, wie es Aya Velasquez formuliert, den „Export ihres Hygiene-und Überwachungsregimes“ voranzutreiben beziehungsweise den Westen zu schwächen.

Aber damit nicht genug. Hinter dem Foto steckt ja ein ganzer Spielfilm. Ein vor zehn Jahren von einem großen Studio vertriebener, kommerziell erfolgreicher Hollywood-Katastrophenfilm. Es geht um ein Atemwegsvirus, das das Gehirn angreift, sich rasend schnell global verbreitet und eine behauptet hohe Sterblichkeit — im zweistelligen Prozentbereich — mit sich bringt. Regie führte Steven Soderbergh, der unter anderem „Oceans Eleven“ und mehrere Folgefilme gedreht hat. Zum hochkarätigen Starensemble gehören Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Lawrence Fishburne und Marion Cotillard.

Produziert hat „Contagion“ die Firma Participant, die dem Tech-Milliardär Jeff Skoll gehört — einst der erste Ebay-Chef. Das Unternehmen hat sich seit den 2000er-Jahren an über 100 Filmen beteiligt. Darunter fallen „Eine unbequeme Wahrheit“ mit Al Gore über den Klimawandel und „Food, Inc.“ gegen moderne Landwirtschaft. Themen also, bei denen Silicon-Valley-Reiche und kulturell tonangebende Kalifornier gerne dem Pöbel seine „Unersättlichkeit“ vorhalten, ob beim Energieverbrauch oder beim Essverhalten. Skoll, Spender für die US-Demokraten, widmet sich auch der Warnung vor Pandemien, ähnlich wie Bill Gates.

So war es nur konsequent, die Reihe der von ihm finanzierten volkspädagogischen Filmwerke um eines zu dieser Thematik zu erweitern. Das fiktive Virus MEV-1 entsteht in China aus einer genetischen Kombination von Fledermaus (!) und Schwein — nicht etwa in einem Labor — und erobert von Macau aus die ganze Welt.

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