Die gescheiterte Republik

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11-03-21 11:50:00,

Einige Tage vor der letzten Ministerpräsidentenkonferenz diskutierten die Medien schon mal den großen Testangriff durch. Die Bundesregierung, so hieß es, wolle jedem Bundesbürger zwei Schnelltests die Woche einräumen. Diese seien kostenlos und werden von medizinischem Fachpersonal durchgeführt. Zwei wöchentliche Tests für mehr als 80 Millionen Bürger: Im schlimmsten Falle ergibt das 160 Millionen Tests pro Woche. Ein Test benötigt im Regelfall 15 Minuten: Ergibt also 2,4 Milliarden Testminuten. Das wiederum sind umgerechnet fast 4.600 Jahre, in denen getestet würde. Und das wöchentlich!

Durchgerechnet hat das freilich niemand. Dabei ist das eine Milchmädchenrechnung, die schon andeutet: Hier galoppiert der Wahnsinn. Dann wurde jedoch die wöchentliche Taktung halbiert: Ein Test pro Woche darf es sein. Also nur knapp 2.300 Jahre in der Woche. Um den Realitätsbezug war es ja schon lange schlecht bestellt. Aber Woche für Woche werden die Ansagen und Pläne hanebüchener. Dieser durchschlagende Irrsinn ist Ausdruck eines vollumfänglichen Versagens. Dies war schon vor der Pandemie programmiert. Jetzt aber schlägt es voll durch.

Walter van Rossum hat vor einigen Wochen einen Versagensbericht vorgelegt. „Meine Pandemie mit Professor Drosten. Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen“ nannte er ihn. Vermutlich verkauft sich so ein griffiger Titel besser, als einfach nur „Versagensbericht“ drüberzuschreiben. Doch genau das ist dieses Buch: Es skizziert umsichtig und beredt, wie in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Raumes Strukturen, Pläne und Selbstverständlichkeiten versagten und sich nüchterner Verstand verabschiedete.

Die letzten zwölf Monate lassen sich nicht ohne einen Hinweis auf ein akutes Medienversagen thematisieren. Die Publikative hat versagt, sie hat als Korrektiv abgewirtschaftet und kein pluralistisches Bild der Abläufe und Erkenntnisse vermittelt.

Zuletzt hat ein Journalist in die Süddeutsche Zeitung sogar gefordert, dass Boris Reitschuster, einer der letzten kritisch hinterfragenden Journalisten, aus der Bundespressekonferenz entfernt werden sollte. Wahrscheinlich entspricht er nicht der Vorstellung vom Tunnelblick, auf den sich die Gilde verständigt hat.

Passend dazu hat die Demokratie versagt, das Parlament hat an die Ministerpräsidenten übergeben und so einen Corona-Rat legitimiert, der verfassungsrechtlich gar nicht vorgesehen ist. Die Politik hält dabei still, sie guckt zu, wie das System endgültig versagt. Die Versagerinnen und Versager von der Presse haben wenig Elan darüber zu informieren, sie organisieren ihr eigenes Fiasko und helfen „der Wissenschaft“ dabei, „die Wahrheit“ zu verbreiten.

Was indes „die Wissenschaft“ sein soll, fehlt in dieser Vermittlung. Christian Drosten?

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