Kommentar zu: Der Fall Nawalny und Deutschland. – Ob die Geschichte sich wiederholt?

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11-03-21 09:42:00,

Ich habe den Beitrag von Frau Dr. Hadinger gelesen; er ist in der Tat interessant und in weiten Teilen auch richtig – was Nawalny betrifft. Den Vergleich der beiden Vorgänge Lenin und Nawalny finde ich allerdings höchst unpassend und weit hergeholt. Er setzt Lenin und seine Person in ein falsches Licht und suggeriert, dass er ein bezahlter Agent der deutschen Obersten Heeresleitung gewesen sei. Davon kann jedoch keine Rede sein. Von Marco Wenzel.

Die Beendigung des Krieges und die Rückkehr der Truppen nach Hause war das große Thema in den russischen Schützengräben, lange bevor Lenin im April 1917 in Petrograd eintraf. Die Beendigung des Krieges war stets eine der wichtigsten Forderungen der Bolschewiki. Die russischen Truppen in den Schützengräben führten ein armseliges Leben in Kälte und Nässe, unzureichender Kleidung und unzureichenden Essensrationen. Sie hatten schon lange keine Lust mehr, ihr Leben für die Kriegsziele des Zaren und der Entente zu geben, für einen Zar, der das Land in die Verarmung getrieben hatte und ihnen und ihren Familien kaum noch das Überleben sichern konnte. Sie wollten schnellstmöglich wieder nach Hause, zu ihren Familien und ihre Felder bestellen, denn die meisten von ihnen waren arme Bauern. Mit den Kriegszielen des Zaren hatten sie nichts zu tun.

Der Krieg verlief indes nicht so, wie Deutschland es sich erhofft hatte. Der Krieg an zwei Fronten war nicht mehr lange auszuhalten. Die Oberste Heeresleitung (OHL) unter Hindenburg und Ludendorff suchte spätestens seit 1916 eine Möglichkeit, die Ostfront zu entlasten, um Truppen zur Unterstützung an die Westfront verlegen zu können. Nach dem Sturz des Zaren im Februar 1917 führte, zur großen Enttäuschung der OHL, aber auch der russischen Soldaten, die provisorische Regierung den Krieg weiter fort. Die bereits gegründeten Sowjets standen unter der Führung der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre und unterstützten den Kurs der Regierung.

Der bolschewistische Flügel der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, die von Lenin gegründet und auch geführt wurde, hatte seit Kriegsbeginn gegen den Krieg polemisiert und mobilisiert. Nach dem Sturz des Zaren wollte Lenin, der gerade in der Schweiz im Exil weilte, schnellstmöglichst nach Petrograd, um dort Einfluss auf die Ereignisse in Russland nehmen zu können. Aber das war inmitten der Kriegswirren ein schwieriges Unterfangen. Lenin und seine Begleiter waren ja alle Russen und damit zugleich Feinde Deutschlands. Und auch die Reise quer durch Russland bis nach Petrograd,

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