Maskenaffäre – was soll die künstliche Empörung?

maskenaffare-–-was-soll-die-kunstliche-emporung?

11-03-21 09:42:00,

Die Empörung ist groß. Man gibt sich hoch moralisch. Dass zwei Unionsabgeordnete sich persönlich bei der Vermittlung von Maskenlieferungen bereichert haben, wirkt – vollkommen zu recht – unmoralisch. Aber ist es moralischer, sich selbst an milliardenschweren Bankenrettungen auf Steuerzahlerkosten zu bereichern? Oder an der systematischen und vorsätzlichen Beschädigung der gesetzlichen Rente? Ist es moralisch, finanzielle oder geldwerte Vorteile von der Rüstungsindustrie zu erhalten und sich von den Falken aus den USA und der NATO für eine Konfrontationspolitik einspannen zu lassen, die in einem Krieg münden könnte, der alle Folgen von Corona weit in den Schatten stellen würde? Politische Korruption ist allgegenwärtig und nie moralisch. Aber sie ist auch System. Daran wird auch die „Maskenaffäre“ nichts ändern. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

„Wer raffgierig eine Jahrhundertkrise nutzt, um nicht dem Volk zu dienen, sondern dem eigenen Bankkonto, der hat sein Recht verwirkt, weiter Abgeordneter zu sein“, so die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel in den gestrigen Tagesthemen. Gut gebrüllt, Löwin! Doch warum soll Corona eine „Jahrhundertkrise“ sein und warum ist es nur dann besonders moralisch verwerflich, wenn man sich als Politiker mit der Vermittlung von Schutzmasken bereichert?

War es moralisch, dass Walter Riester zunächst als Arbeitsminister die gesetzliche Rente beschädigte, später für Maschmeyers AWD und die Union Investment, zwei Hauptprofiteure seiner „Riester-Rente“, tätig war und sich dabei mindestens mit 181.500 Euro pro Jahr bereicherte?

War es moralisch, dass Peer Steinbrück als Finanzminister Banken und deren Aktionäre mit einem dreistelligen Milliardenbetrag auf Kosten des Steuerzahlers „rettete“ und danach mit Vorträgen bei ebenjenen Banken auf Einkünfte von mehr als eine Million Euro pro Jahr kam?

War es moralisch, dass Daniel Bahr als Gesundheitsminister mit seinen Reformen die Wünsche der privaten Krankenversicherungen umsetzte, um gleich danach bei der privaten Krankenversicherung der Allianz einzusteigen, bei der er heute Vorstand ist?

War es moralisch, dass Eckart von Klaeden direkt von seinem Job als Merkels Staatsminister auf den Posten des Cheflobbyisten für den Automobilkonzern Daimler wechselte? Und wie sieht es mit seiner Amtsvorgängerin aus? Hildegard Müller ist die aktuelle Vorsitzende des Verbandes der Automobilindustrie und wird als Cheflobbyistin der deutschen Automobilbranche sicher deutlich mehr als ihre ehemalige Chefin Angela Merkel verdienen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: