Der Gottesersatz

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12-03-21 10:27:00,

Inhalt oder Macht? Das ist sicher die entscheidende Frage, die uns beschäftigt seit dem Paradies und der Lüge der Schlange: „Ihr werdet sein wie Gott.“ Macht ist wie eine Matrix, sie lenkt unsere Vorstellungen und unser Verhalten; als Verführte lassen wir uns dann einweben in menschengemachte Systeme, deren Anforderungen wir verinnerlichen, in denen wir leben und denen wir zu genügen suchen. Hin und wieder dringen Anfragen an uns heran, die das System anzweifeln. Doch oft bleiben wir eine Antwort schuldig und wehren ab, das fällt nicht weiter auf.

Wer meint, zum System zu gehören, und keine Fragen zulassen will, braucht hier nicht weiterzulesen — für ihn ist dieser Text nicht bestimmt.

Macht ist bloß ein leeres Formalprinzip und ohne konkreten Inhalt; sie ist die sinnleere, moderne, weltliche eine Lösung für alle Probleme. Es heißt dann: „Der Mensch macht’s!“ Im Deutschen — welch ein Glücksfall! — verrät schon das Wort Macht, dass es von „machen“ kommt. So ist die Menschenzentriertheit von Macht offenbar und damit die Verhaftung in Halbheit, Lüge, Neid, Gier, Gewalt, kurz: Sünde. Hatte einst — welch ein Segen! — der heilige, durch und durch gute Gott allein die Macht, soll, nachdem man Gott abgeschafft hat, der Mensch alle Macht haben, es ist ja auch sonst keiner mehr da.

Gott lehnt seit jeher „die Macht“ ab: Er lässt sich kreuzigen und töten, lässt Seine Schöpfung vergewaltigen, ja, Er lässt zu, dass in dieser Welt Böse die Macht übernehmen — um sie am Ende mit einem einzigen Hauch und Halbvers zu beseitigen (Offenbarung 20,9b) und so zu zeigen, dass alle Macht nichts ist, nichtig und wertlos, weil allein Er sie hat.

Macht kann sich mit allem und jedem verbinden, Inhalt nicht. Macht ist wie Geld: Geld steht auch für alles, es hat in sich keine Bedeutung, man kann es weder essen noch davon leben, nur indirekt — und doch scheint es jeder zu brauchen, dieses „Leben um die Ecke herum“.

Man kann das Leben auch nicht selber machen, und warum es sich vor dem einen auf eine bestimmte Weise entrollt und vor dem anderen ganz anders, weiß man nicht, kaum einmal liegt es überhaupt in der eigenen Hand. Selbstermächtigung erweist sich damit als Illusion im Hinblick auf das „Eigene“, genau wie jede Macht Illusion ist im Hinblick auf das „Andere“,

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