Finnland hatte vor 10 Monaten einen patentfreien Impfstoff – aber entschied sich dagegen

finnland-hatte-vor-10-monaten-einen-patentfreien-impfstoff-–-aber-entschied-sich-dagegen

12-03-21 10:05:00,

»Wir fühlten uns dazu verpflichtet, mit der Entwicklung einer solchen Alternative zu beginnen«, sagt Professor Kalle Saksela, Vorsitzender der Abteilung für Virologie an der Universität von Helsinki. »Im Frühling letzten Jahres dachte ich noch, dass sich sicher irgendeine öffentliche Einrichtung einschalten und das Vorhaben vorantreiben würde. Doch anscheinend ist keine Situation dringlich genug, um den Staat dazu zu bewegen, sich einer solchen Sache anzunehmen.«

Saksela und sein Team hatten bereits im Mai 2020 einen patentfreien Covid-19-Impfstoff entwickelt, den sie in Anspielung auf das berühmte finnische Open-Source-Betriebssystem als »das Linux unter den Impfstoffen« bezeichneten. Ihre Arbeit basiert auf öffentlich zugänglichen Forschungsdaten und auf dem Prinzip, alle neuen Erkenntnisse in Fachzeitschriften zu veröffentlichen.

Zum Forschungsteam gehören einige der wissenschaftlichen Schwergewichte Finnlands, wie Professor Seppo Ylä-Herttuala vom A. I. Virtanen Institut, ehemaliger Präsident der Europäischen Gesellschaft für Gen- und Zelltherapie, und Kari Alitalo, ein assoziiertes Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA. Aufbauend auf bewährtem Know-how und zuverlässiger Technologie haben sie ein Nasenspray entwickelt, dass sie als sicher und hochwirksam einstufen.

Das Buch der linken Star-Ökonomin
Grace Blakeley auf Deutsch.

»Es ist ein fertiges Produkt, in dem Sinne, dass sich die Rezeptur bei weiteren Tests nicht mehr verändern wird«, sagt Saksela. »Mit dem, was wir haben, könnten wir morgen die gesamte Bevölkerung Finnlands impfen.«

Aber anstatt das Potenzial patentfreier Forschung auszuschöpfen, hat Finnland – wie auch andere westliche Länder – an der Politik der letzten Jahrzehnte festgehalten und sich voll und ganz auf Pharmakonzerne verlassen.

Die Covid-19-Impfstoffe der ersten Generation von Pfizer, Moderna und AstraZeneca gelten gemeinhin als Beispiel dafür, wie Märkte Anreize für lebenswichtige Innovationen schaffen und deren Entwicklung beschleunigen. In Wirklichkeit ist es verheerend, dass Profite zum leitenden Motiv medizinischer Forschung geworden sind – insbesondere im Falle einer globalen Pandemie. Die Geschichte des finnischen Impfstoffs zeigt eindrücklich, wie das heutige patentbasierte Finanzierungsmodell die Entwicklung von Impfstoffen verlangsamt hat und wie es die Durchführung effektiver Massenimpfkampagnen behindert.

Geistiges Privateigentum

Der Druck, das nächste bahnbrechende patentgeschützte Produkt zu entwickeln, hat negative Auswirkungen auf die Forschung. Er verleitet Unternehmen dazu, ihre Erkenntnisse voreinander und vor der breiteren wissenschaftlichen Gemeinschaft geheimzuhalten – auch auf Kosten der Gesundheit der Menschen. Im Gegensatz dazu würde Forschung nach dem Open-Source-Modell multilateral und kollaborativ betrieben werden.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: