Covid-19 – Inzidenzinflation

covid-19-–-inzidenzinflation

15-03-21 12:41:00,

Covid-19
Die unkontrollierte Einführung von Schnelltests, ohne dass vorher repräsentative Testserien etabliert sind, führt in einen Blindflug.

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Politiker und viele Journalisten versuchen uns weiszumachen, dass die massive Nutzung von Schnelltests in der Bevölkerung zu einer besseren Kontrolle des Epidemieverlaufs führen wird. Ich diskutiere hier, welche Konsequenzen tatsächlich zu erwarten sind und stelle am Schluss die Frage, warum die Schnelltests tatsächlich unters Volk gebracht werden.

Was Inzidenz wirklich ist

Die tatsächliche Inzidenz ist der Anteil gegenwärtig mit Covid-19 infizierter Personen in der Gesamtbevölkerung. De zeitliche Verlauf dieser Inzidenz wäre ein hervorragender, wenn auch nicht perfekter Datensatz für die Planung und Steuerung. Perfekt ist er deshalb nicht, weil man zusätzlich wissen möchte, wie sich die Inzidenz auf verschiedene Bevölkerungsgruppen verteilt und wie sich diese Verteilung zeitlich ändert. Wenn man zusätzlich noch die wichtigsten Wege der Infektionsübertragung und deren Anteile an den gesamten Übertragungen kennen würde, könnte man sehr gezielt Maßnahmen ergreifen, deren schädliche Nebenwirkungen minimiert wären. Je nach Bedarf könnte man sie zügig herunter- und wieder hochfahren. Das ließe sich der Bevölkerung auch gut erklären.

Nun hat man prinzipiell keine idealen Messdaten. Um die tatsächliche Inzidenz mit Tagesauflösung zu kennen, müsste man jeden Bürger täglich mit einem Verfahren testen, das erstens tatsächliche Infektionen detektiert, zweitens keine falsch negativen und drittens keine falsch positiven Ergebnisse liefert. Ein solches Verfahren gibt es nicht.

Man könnte aber Daten haben, die gemessen an den anderen Unsicherheiten ausreichend genau sind. Dazu reichen die PCR-Tests aus, für die man mit statistisch hinreichender Genauigkeit den Bezug zwischen dem dabei ermittelten Ct-Wert und der Wahrscheinlichkeit kennt, tatsächlich infektiös zu sein. Der Ct-Wert ist die Zyklenzahl, nach der ein positives Ergebnis auftritt. Zusätzlich benötigt man nur noch eine hinreichend große, repräsentativ ausgewählte Gruppe der Bevölkerung, die regelmäßig getestet wird. Das können immer die gleichen Personen sein, also eine Kohorte, was andere Vorteile hat. Allerdings ist es für die ausgewählten Personen über längere Zeit unbequem. Alternativ könnte man ein Verfahren verwenden, in dem die Personen wechseln, das aber trotzdem repräsentative Ergebnisse liefert. In beiden Fällen man kann die Daten einschließlich einer Abschätzung ihrer Unsicherheit ermitteln.

Die Forderung, genau das zu tun, ist über 10 Monate alt und ging damals in einem offenen Brief eines Experten an die Bundeskanzlerin.

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