Liste der Steueroasen: Warum fehlt die größte, der US-Bundesstaat Delaware?

liste-der-steueroasen:-warum-fehlt-die-groste,-der-us-bundesstaat-delaware?

15-03-21 11:01:00,

Das internationale Netzwerk für Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network, TJN) hat jetzt wieder seine aktualisierte Liste der wichtigsten Steueroasen veröffentlicht, die von Unternehmen genutzt werden (NachDenkSeiten 9.3.2021). An der Spitze stehen die drei britischen Territorien Virgin Islands, Cayman Islands und Bermuda, dann folgen die Niederlande, die Schweiz, Luxemburg und Hongkong, dann die britische Kanalinsel Jersey und schließlich Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate VAE. Das ist gut gemeint und gut recherchiert, aber da fehlt zweimal ganz Wesentliches: Erstens fehlt die größte Unternehmens-Steueroase der Welt, nämlich der US-Bundesstaat Delaware, zweitens fehlt ein wesentliches Merkmal von Delaware und der aufgezählten Steueroasen. Sie sind nicht nur Steueroasen, sondern viel umfassender: Sie sind auch Finanzoasen. Es geht nicht nur um Steuern, sondern um viel mehr, nämlich um ein besonders „liberales“ Unternehmensrecht. Von Werner Rügemer.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

Delaware: Sitz der global wichtigsten Konzerne

Kommen wir zunächst zu Delaware. Vier Fünftel der 500 größten US-Banken und -Konzerne (Liste S&P 500) und die Mehrheit der sonstigen wichtigen, global agierenden US-Unternehmen haben ihren rechtlichen und Steuersitz in Delaware. Und nicht nur das: Da diese Unternehmen selbst aus hunderten, teilweise tausenden von Tochterfirmen bestehen, in den USA und in vielen Dutzend anderen Staaten, haben sie dafür auch hunderte und tausende Briefkastenfirmen, wiederum zum großen Teil in Delaware.

Und das handhaben auch die großen US-Filialen ausländischer Konzerne so, etwa von Daimler und Deutscher Bank. Man braucht nur das Beteiligungsverzeichnis der Deutschen Bank durchzusehen: Mehr als hundert Briefkastenfirmen haben ihren Sitz in Delaware, neben den von TJN genannten Steueroasen. Delaware: Ein Finanzinstrument für „America First“

US-Präsident Joe Biden: Lobbyist aus und für Delaware

Es hätte schon deshalb nahegelegen, Delaware einzubeziehen, wegen des neuen, ach so netten US-Präsidenten Joe Biden: Er ist einer der wichtigsten Lobbyisten des Kapitalstandorts Delaware – und zwar seit über vier Jahrzehnten.

Biden war von 1973 bis 2009 Senator für den US-Bundesstaat Delaware. Schon als 29-jähriger Wirtschaftsanwalt hatte er sich um dieses Amt beworben und hielt es 35 Jahre lang in Washington.

Dieser Ministaat mit nicht einmal einer Million Einwohnern wurde vom aufsteigenden US-Chemie- und Rüstungskonzern DuPont, der hier seinen Gründungsstandort hatte, seit den 1920er Jahren als Finanzoase ausgebaut.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: