„Bild“ gegen „Spiegel“: Eine Krähe hackt der anderen (k)ein Auge aus

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16-03-21 11:58:00,

Die Affäre um „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt offenbart Heuchelei auf allen Seiten. Der aktuelle „Konflikt“ zwischen den beiden hochproblematischen Medien „Spiegel“ und „Bild“ sollte außerdem nicht von deren Einigkeit auf vielen Feldern der Politik ablenken. Von Tobias Riegel.

Die „Bild“-Zeitung und der „Spiegel“ sind zwei einflussreiche und problematische Medien. Wenn diese beiden Medien sich nun einen öffentlichen Hahnenkampf liefern – was ist das dann? Eine gute Nachricht, weil es ein Beweis dafür ist, dass sich die großen Medien entgegen der Beobachtung doch gegenseitig kritisieren und dadurch kontrollieren? Oder ist der aktuelle Vorgang nur eine unterhaltsame Simulation einer solchen Kontrolle, durch die viel größere Missstände und auch inhaltliche Überschneidungen verdeckt werden – ähnlich wie bei den öffentlichen Krokodilstränen des „Spiegels“ anlässlich der Relotius-Fälschungen? Dazu hatte Albrecht Müller geschrieben:

„Mit der meisterhaft formulierten Offenlegung der Fälschungen des Claas Relotius werden zugleich all die ähnlichen Fälle des Versagens des „Spiegel“ verdeckt, obwohl die anderen Fälle von Manipulation um vieles gravierendere Folgen haben als die Fälschungen des gerade ertappten Redakteurs.“

Zwei dominante Krähen im Clinch

Hintergründe zu dem öffentlichen Konflikt zwischen „Bild“ und „Spiegel“ werden etwa in diesem Artikel zusammengefasst: Demnach hat der „Spiegel“ unter dem Titel “Vögeln, fördern, feuern“ (Bezahlschranke) ein „System Reichelt“ beschrieben: Das habe etwa aus angeblichen Affären und Machtmissbrauch bestanden und sich unter dem „Bild“-Chef Julian Reichelt entfaltet. Reichelt weist die Vorwürfe zurück, ist aber nun vorübergehend freigestellt, zunächst übernimmt die Chefredakteurin von «Bild am Sonntag», Alexandra Würzbach, die Führung der „Bild“-Redaktion. Die Vorwürfe gegen Reichelt (Details folgen weiter unten) sollen bis zu einer Konkretisierung hier nicht näher bewertet werden.

Gegen den „Spiegel“-Bericht will Reichelt nun presserechtlich vorgehen, wie etwa die NZZ berichtet. So soll der „Spiegel“ Reichelt vor der Berichterstattung nicht mit den darin kolportierten Vorwürfen konfrontiert haben. Der “Spiegel”-Bericht stelle also eine unzulässige Form der Verdachtsberichterstattung dar. Das Medienmagazin „Kress“ zitiert eine Mitteilung Reichelts:

“Ich werde mich gegen die wehren, die mich vernichten wollen, weil ihnen BILD und alles, wofür wir stehen, nicht gefällt. Die über mich schreiben, ohne mich vorher anzuhören, weil meine Antworten ihnen noch nie gepasst haben.“

Der „Spiegel“ sagt dazu: “Natürlich haben wir Herrn Reichelt mit den Vorwürfen gegen ihn über seinen Arbeitgeber konfrontiert und eine Stellungnahme erhalten”,

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