Kritische Leser und ein „zahnloser Tiger“ – 2020 NEWS

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16-03-21 02:51:00,

Von Tilo Gräser

Vom wachsenden Zweifel der Bürgerinnen und Bürger an den etablierten Medien zeugt unter anderem die gestiegene Zahl der Beschwerden an den Deutschen Presserat. 4085 Beschwerden und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr (2175) gingen 2020 ein, wie es im aktuellen „Jahresbericht“ des Gremiums heißt. Zu den Ursachen gehört die am 11. März 2020 ausgerufene Covid-19-Pandemie, die seitdem die Gesellschaft und damit auch die Medien beherrscht. Die „auf Rekordniveau gestiegenen Beschwerden“ zeigen laut Presseratssprecher Sascha Borowski, dass die Leser „klare und verlässliche Fakten“ wünschen. Sie hätten sich „besonders häufig“ an den Presserat gewandt, wenn sie am Wahrheitsgehalt der Berichterstattung zweifelten. Das erklärte Borowski aus Anlass des am 23. Februar vorgestellten „Jahresberichts 2020“ des Gremiums. Zugleich zeigt sich, dass dieses Gremium nicht mehr als ein „zahnloser Tiger“ ist und die von ihm ausgeübte „freiwillige Selbstkontrolle“ nur eine Alibifunktion hat.

Der 1956 gegründete Deutsche Presserat bezeichnet sich selbst als „Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien und deren Online-Auftritte in Deutschland“. Fundament des Gremiums ist der Verein mit vier Mitgliedsorganisationen: Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), Deutscher Journalisten-Verband (DJV), Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Sie haben gemeinsam den Pressekodex erstellt, der ethische Standards für den Journalismus in der Bundesrepublik beschreibt und als Orientierungsrahmen gilt.

Die Mehrzahl der Leserbeschwerden richtete sich laut Presseratssprecher Borowski „etwa gegen die in den Medien genannten Infektionszahlen, unterschiedliche Szenarien zur Sterblichkeit, aber auch gegen Berichte, die über die Beweggründe von Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen informierten“. Im Jahresbericht heißt es dazu: „Kritik an der Berichterstattung über die Corona-Pandemie wies der Presserat überwiegend zurück: Bei 80 Prozent der bereits entschiedenen Beschwerden zu diesem Thema lag kein Verstoß gegen den Pressekodex vor.“ 

Zweifel am Wahrheitsgehalt der Berichte

581 Leser baten den Angaben nach den Presserat im vergangenen Jahr um eine Einschätzung zu Presse- und Online-Berichten über die Corona-Pandemie. Es seien 398 Artikel zu diesem Thema geprüft worden, heißt es, wobei sich teilweise auch mehrere Leser über dieselben Beiträge beschwert hätten. 321 Beschwerden seien  bereits entschieden, die restlichen 77 befinden sich laut Bericht noch im Verfahren, da sie erst nach den Fristen für die letzte Sitzung im Dezember 2020 eingereicht wurden.

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