Vom Dilemma der US-Besatzung

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16-03-21 11:46:00,

In Sachen Afghanistan hat die Biden-Administration deutlich gemacht, dass sie in vielerlei Hinsicht den „Trump-Kurs“ fortsetzen möchte. Konkret bedeutet dies die Fortführung von Friedensgesprächen und den Abzug des US-Militärs. Dennoch bleiben viele Fragen unbeantwortet. Das beste Beispiel hierfür ist die Frage rund um das Verbleiben der CIA am Hindukusch. Von Emran Feroz aus Kabul.

Wer durch Kabul spaziert, bemerkt auch in diesen Tagen die Präsenz von auffälligen Militärfahrzeugen, die oftmals eine Kolonne bilden und sich aggressiv durch den stockenden Verkehr der Hauptstadt schlängeln. Schwerbewaffnete Soldaten, in Gedanken schon bei ihrem nächsten Einsatz, sind erkennbar. Die Aufschrift „NDS“ ist auf den schweren Geländewägen zu lesen. Der NDS („National Directorate of Security“) ist nicht irgendwer, sondern der afghanische Inlandsgeheimdienst, der nach 2001 von der CIA aufgebaut wurde. Es handelt sich hierbei um den verlängerten Arm der CIA in Afghanistan. Der US-Geheimdienst hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen massiven, innerafghanischen Sicherheits- und Überwachungsapparat errichtet. Es gibt mehrere CIA-Zentren im Land, etwa in Kabul, am Flughafen im östlichen Dschalalabad oder in der Stadt Khost im Südosten des Landes. Überwachungsballons dominieren das Landschaftsbild und sorgen für eine dystopische Stimmung, die schon längst zum Alltag geworden ist. Der NDS führt zahlreiche paramilitärische Schatteneinheiten, die regelmäßig landesweit ausschweifen und Operationen durchführen. Hinzu kommen weitere Milizen wie die „Khost Protection Force“ (KPF), die im Südosten des Landes präsent ist und unabhängig vom NDS agiert. Seit Jahren wundern sich viele Beobachter des Afghanistan-Krieges über die Hierarchie innerhalb dieser Strukturen. Vieles geschieht im Dunkeln. Viele hohe afghanische Offizielle, unter anderem der Präsident selbst, sind in viele Machenschaften wohl gar nicht eingeweiht. Unumstritten sollte allerdings die Tatsache sein, dass die vollständige Kontrolle in Langley liegt. Ohne Zustimmung und Unterstützung der CIA wäre der NDS quasi bewegungsunfähig. Auch bei der Wahl des aktuellen NDS-Chefs, Ahmad Zia Saraj, musste erst der US-Geheimdienst zustimmen, bevor andere etwas zu sagen hatten.

Die letzten Jahre und vor allem auch die letzten Tage haben allerdings deutlich gemacht, dass jene Strukturen Afghanistan nicht sicherer, sondern vielmehr unsicherer gemacht und Radikalismus und Extremismus geschürt haben. Das jüngste Beispiel hierfür ist eine Operation, die in der Nacht des 10. März im Distrikt Khogyani in der Provinz Nangarhar stattgefunden hat. NDS-Einheiten stürmten dort eine Schule und töteten zehn Zivilisten, bestehend aus acht Schülern, einem Arzt und einem Lehrer. Das Massaker wurde nicht nur von der Regierung ignoriert,

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