Das Auferstehen der Kultur

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17-03-21 10:35:00,

Nicolas Riedl: Du bist die Initiatorin von „Kultur steht auf“. Das impliziert im Grunde genommen, dass genau das geschieht — dass die Kultur aufsteht. Aber passiert das derzeit wirklich? Wenn ich mich so umschaue, habe ich eher den gegenteiligen Eindruck. Die Künstler hüllen sich in Schweigen oder aber, wenn sie sich zu den aktuellen Entwicklungen äußern, dann immer sehr affirmativ. Auf dem Weg hierher zum Interview habe ich gelesen, dass nun Promis ihre Stimme dafür hergaben, um in den öffentlichen Verkehrsmitteln von New York an die Corona-Regel zu erinnern. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob wirklich eine große Masse an Künstlern aufsteht oder ob das nur eine kleine Avantgarde ist?

Céline von Knobelsdorff: Den Titel habe ich mit einem anderen Hintergrund gewählt. Ich dachte dabei mehr an die Auferstehung. Wer es religiös betrachten möchte, dem würde ich sagen: Christus letzte Botschaft ist nicht seine Kreuzigung, sondern seine Auferstehung. Dieser Geist steckt für mich in dem gewählten Slogan. Es ist natürlich provokativ und es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen den Slogan auffassen.

Die Idee ist aus einem gewissen Moment geboren — ich war auf einer Veranstaltung, einer Demonstration hier in München, bei der die Kultur sich erhoben und sich eine Stimme gegeben hat. Auf dem Rückweg habe ich mir dann überlegt, wie ich die Initiative, die in mir keimte, nennen wollte.

Kurze Zwischenfrage: War das die Veranstaltung Ende Oktober?

Ganz genau!

Interessant! Genau von diese Demonstration rührt auch meine kritische Frage her. Ich war auch auf dieser Demonstration — aber nur für zwei Minuten. Der Grund: Gleich zu Beginn ließ der Veranstalter in einem Disclaimer verkünden, dass die Querdenker und Konsorten am Tag zuvor in München demonstriert hätten. Sollten sich welche von diesen in der Veranstaltung aufhalten, könnten diese sofort wieder nach Hause gehen. Davon habe ich mich angesprochen gefühlt und gleich kehrtgemacht und war entsprechend enttäuschte von der Kunst- und Kulturszene.

Ich habe mich nicht vertreiben lassen. Ich war schließlich auch dort, um Kontakte zu knüpfen, aber auch um bereits geknüpfte Kontakte zu treffen. Die Veranstaltung trug den Namen „Aufstehen für Kunst und Kultur“ und ich habe mich dann bewusst für einen anderen Titel entschieden und das Motiv der Auferstehung gewählt. Die Kultur, aber auch die Gesellschaft als Ganzes befindet schließlich schon länger in einer Schräglage.

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