Krone-Schmalz: „Eine Destabilisierung Russlands ist ein Spiel mit dem Feuer“

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17-03-21 09:38:00,

Nimmt die Politik des Westens eine Destabilisierung Russlands in Kauf? Ja, sagt die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD Gabriele Krone-Schmalz. In einem zweiteiligen Interview mit den NachDenkSeiten fordert die Journalistin und Buchautorin eine „entschlossene Entspannungspolitik“. Die Entwicklung zwischen den NATO-Ländern und Russland sei auf Misstrauen gebaut, dem müsse entgegengetreten werden, bevor die Situation aus dem Ruder laufe. Krone-Schmalz betont, dass man die geostrategischen Interessen, die bei den Konflikten zwischen „dem Westen“ und Russland eine Rolle spielen, nicht ausblenden dürfe. Sonst, so Krone-Schmalz, „verstehe man nur die Hälfte.“ Von Marcus Klöckner.

Frau Krone-Schmalz, der Konflikt in der Ukraine ist in den Hintergrund gerückt, aber die Spannungen mit Russland sind nach wie vor sehr gegenwärtig. Gerade stehen Sanktionen der EU gegen Russland im Raum. Wie betrachten Sie die aktuellen Entwicklungen?

Mit großer Sorge. Ich vermisse nicht nur politische Analysen, die das Knäuel aus Interessen und Moral entwirren, sondern vor allem auch eine politische Strategie, wohin diese Spirale aus Drohungen und Sanktionen denn führen soll. Es ist eine Situation entstanden, in der zwar immer noch viele das Wort „Dialog“ und „Gesprächsbereitschaft“ im Munde führen, aber die Praxis sieht anders aus. Und diejenigen, die diese Begriffe mit Leben füllen wollen, laufen ständig Gefahr, diskreditiert zu werden. Hinzu kommt Druck aus den USA. Allerdings verhindert die Verlängerung des New-Start-Abkommens zumindest im Nuklearbereich eine weitere Rüstungsspirale – ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, immerhin.

Oberflächlich betrachtet könnte man als Mediennutzer davon ausgehen, dass die Reibereien mit den Konflikten zu tun haben, über die in dem Zusammenhang berichtet wird. Ukraine, Krim, Nawalny, Menschenrechte: Das ist der Vordergrund. Aber wenn man sich nur auf diese Konflikte im Einzelnen konzentriert, wird man dann nicht sozusagen zum Opfer eines Taschenspielertricks, bei dem die Aufmerksamkeit weg vom eigentlichen Geschehen gelenkt wird?
Anders gefragt: Verdecken die vordergründigen Streitereien zwischen dem Westen und Russland die eigentlichen Gründe für die Spannungen?

Ja und nein. Diese Konflikte sind ja nicht nur vorgeschoben, es sind tatsächliche Konflikte. Etwas anderes ist aber die Frage nach ihren tieferen Ursachen. Wenn man die geostrategischen Interessen ausblendet, versteht man die Konflikte nur zur Hälfte.

Würden Sie das bitte näher erläutern?

Jedes Land auf der Welt hat für sich sein eigenes Sicherheitsbedürfnis und es geht umso friedlicher zu,

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