Der Inzidenzwert: “In hohem Maße steuerbar” – durch Politik und Behörden – reitschuster.de

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18-03-21 01:57:00,

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Thomas Rießinger und Michael Horn

„Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört“, lässt Goethe seinen Mephistopheles in der Hexenküche sagen, „es müsste sich dabei doch auch was denken lassen.“ Da wird man ihm gerne zustimmen, sich jedoch gleichzeitig an die eine oder andere Äußerung der Kanzlerin erinnern, deren pointierte und präzise Formulierungskunst den Zuhörer nicht nur zu der Frage veranlasst, was er sich nun im Sinne Mephistopheles’ dabei denken sollte, sondern auch zu dem weiterführenden Problem, ob sie sich selbst wohl irgendetwas dabei gedacht hat.

Aber nicht nur ganze Sätze – sofern man im Zusammenhang mit den erwähnten Äußerungen von so etwas sprechen kann –, sondern auch einzelne Worte, Schlagworte verschiedenster Art können sich zum Anwendungsfall für die zitierte Bemerkung entwickeln. In unserer Zeit, die uns allem Anschein nach mit der schlimmsten Pandemie aller Zeiten, gepaart mit einer an Fürsorglichkeit und Kompetenz kaum noch zu überbietenden Regierung heimgesucht hat, lautet das zentrale Wort „Inzidenz“, manchmal auch „Inzidenzwert“, und so mancher wird sich gefragt haben, ob „sich dabei doch auch was denken“ lässt und welche Gedankenwege möglich sind. Werfen wir also einen Blick auf das geheimnisvolle Wort.

Zunächst ist die Inzidenz nur eine Zahl wie andere auch, die auf eine bestimmte Weise berechnet wird – davon wird noch die Rede sein. Es sticht aber ins Auge, dass man Inzidenzen nach ihrer Größe beurteilen kann und vor allem, dass die Urteile schneller wechseln können als Karl Lauterbachs Talkshowsessel. Lag vor einiger Zeit das Heil noch bei einer Inzidenz von 50, so hat man vor Kurzem die 35 in den Rang des wünschenswerten Ziels erhoben – ergänzt noch um Tendenzen hin zum Wert 10 oder gar zur 0, – nur um dann vor wenigen Tagen dem erstaunten Publikum zu eröffnen, auch ein Wert von 100 sei schon recht brauchbar. Eine seltsame Kennzahl, so wichtig, wie man hört, und doch so beliebig, je nach Laune und Prioritäten der beteiligten Politiker.

Was ist nun mit diesem Rätselwort gemeint? Bei der AOK findet man die Information, die Inzidenz sei „eine Messgröße aus der Epidemiologie, die die Anzahl der Neuerkrankungen an einer bestimmten Krankheit in einer definierten Bevölkerungsgruppe während eines bestimmten Zeitraums angibt.“ Bei der 7-Tage-COVID-19-Inzidenz muss es sich folglich um die Anzahl der an COVID-19 Neuerkrankten innerhalb eines Zeitraums von sieben Tagen handeln.

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