Krone-Schmalz: „Die Länder der EU und Russland sind eigentlich natürliche Partner“

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18-03-21 01:16:00,

Die Beziehungen zwischen „dem Westen“ und Russland sind angespannt. Wie betrachtet die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD Gabriele Krone-Schmalz die aktuelle Entwicklung? Im zweiten Teil des NachDenkSeiten-Interviews ordnet die Journalistin und Buchautorin den Fall Nawalny ein, spricht über Doppelstandards in der Berichterstattung über Russland und verrät, was sie meint, wenn sie in ihrem neuen Buch davon spricht, dass in Deutschland ein „aggressives Klima der Intoleranz“ vorherrsche. Den ersten Teil des Interviews finden Sie unter diesem Link. Von Marcus Klöckner.

Frau Krone-Schmalz, Medien bauen schon seit Jahren das Feindbild Russland auf. In unserem letzten Interview haben wir über Probleme in der Medienberichterstattung gesprochen, wenn es um Russland geht. Jetzt sind über zwei Jahre vergangen. Hat sich an der Vorgehensweise der Medien etwas geändert? Oder anders gefragt: Was fällt Ihnen auf, wenn Sie die Berichterstattung verfolgen?

Alles, was ich damals beschrieben habe, ist heute noch ganz genauso. Auf jeden Fall nicht besser geworden. Der Kabarettist Dieter Nuhr hat das mal so formuliert: „Wenn sich Journalisten als Influencer betrachten statt als Berichterstatter, wird’s problematisch.“ Genau das ist das Problem. Viel zu viele scheinen sich berufen zu fühlen, ihre Kundschaft auf den „richtigen“ Weg zu führen, was immer das sein soll. Das ist wahrlich nicht die Aufgabe von Journalisten. Wir sind keine neutralen Maschinen, das geht auch gar nicht, aber zum Qualitätsjournalismus gehört auf jeden Fall, sich losgelöst vom eigenen Kosmos in die Lage derer zu versetzen, über deren Lebensrealität man berichtet und all diese Facetten offen auszubreiten. Schlicht und einfach deshalb, damit der Mediennutzer besser versteht, was da woanders vor sich geht. Auf dieser Grundlage kann er sich seine eigene Meinung bilden und die muss nicht unbedingt mit der des Journalisten übereinstimmen.

Haben Sie Beispiele?

In all meinen Büchern zum Thema Russland habe ich immer ausführlich über Doppelstandards berichtet. Im Grunde vergeht kein Tag, an dem sich nicht mindestens ein Beispiel finden lässt. Das geht ja weit ins Sprachliche hinein, wenn Putin mit anderen Politikern „feilscht“ statt verhandelt und jede russische Aussage mit Worten wie „angeblich“ eingeleitet wird.

Was kann man einem Mediennutzer, der die „Berichterstattung“ zu Russland in deutschen Medien verfolgt, raten? Was sollte einem als Mediennutzer bewusst sein?

Ich tue mich mit einem Rat offengestanden sehr schwer.

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