Die Pandemiemüdigkeit

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23-03-21 02:21:00,

Neulich sagte mir ein Freund, die Menschen seien pandemiemüde; treffender kann ich es nicht beschreiben und will auch diesen Text nicht der immer wiederkehrenden Thematik unseres allgegenwärtigen Alltags widmen. Dennoch wird es kaum möglich sein, dieses Thema gänzlich zu umgehen, daher bitte ich auch all die Pandemiemüden vorab um ein wenig mehr Durchhaltevermögen, da der Gedankengang ein anderer ist.

Die Menschheit ist mittlerweile von dem Thema so gesättigt, dass sie weder die neuesten Schlagzeilen über das Voranschreiten der Impfkampagne unserer Regierung noch die brisantesten Ereignisse der Demonstrationen, die Entwicklung von Querdenken und das neueste Video der aktuell bedeutendsten Sprecher aufnehmen kann oder gar möchte. Der Punkt ist erreicht — mehr Corona geht nicht mehr in den Kopf hinein. Doch einfach ohne weiterzuleben ist ebenfalls nicht möglich, da das Thema nun mal da ist und für eine fortwährende Beschäftigung sorgt. Man kommt, ob man es möchte oder nicht, da einfach nicht raus.

Bedingt durch die Zwänge, die sowohl äußerlich von anderen als auch innerlich vom eigenen Ich auferlegt werden, entstehen viele psychologische Dynamiken. Eine davon ist die Theorie des generationsübergreifenden Traumas. Speziell wird hierbei die jüngste Geschichte Deutschlands betrachtet, mit dem Schwerpunkt auf dem letzten Jahrhundert liegend. Dabei geht es in diesem Artikel nicht darum, Vergleiche von damals und heute zu ziehen, sondern sich genauer anzuschauen, warum die Menschen damals bereits so gehandelt haben, wie sie es heute tun.

Mein Wissen und meine Arbeit in der Traumatherapie stützen sich auf die Anliegenmethode nach Franz Ruppert. Eine elementare Erkenntnis bei seiner Theorie ist die Spaltung der Psyche bei einem traumatischen Ereignis. Ist der Mensch einer lebensbedrohlichen Situation ausgesetzt, so versucht sich die Psyche zu regulieren, um das Überleben zu sichern. Um dieses aushalten zu können, spaltet sich die Psyche vom Erlebten. Das sichert zwar das Überleben, doch es entsteht dadurch eine Spaltung im Menschen, die die Psyche nicht mehr ganzheitlich sein lässt. Es ist eine innere Trennung der Gefühlswelt, die sich später auf unterschiedliche Weise bemerkbar macht und bei der es zu empfehlen ist, das Erlebte aufzuarbeiten, um das abgespaltene Gefühl wieder zu integrieren.

Obwohl die damals lebensbedrohliche Gefahr nicht mehr real existiert, ist dieser Prozess sehr schmerzhaft. Die unterdrückten Gefühle kommen wieder hoch, und man muss sich mit diesem Schmerz auseinandersetzen und ihn wieder fühlen. Zeitgleich ist die Situation nun nicht mehr lebensbedrohlich,

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