Es ist töricht, die Corona-Politik an Inzidenzwerten auszurichten

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24-03-21 11:23:00,

Die gesamten Corona-Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen stehen und fallen mit dem Inzidenzwert. Liegt er unter einem Schwellenwert, darf gelockert werden, übersteigt er einen anderen Schwellenwert, muss die „Notbremse“ gezogen werden. Dabei wird nicht mehr hinterfragt, was dieser Inzidenzwert eigentlich aussagt. Das ist fahrlässig und töricht, da diese Größe willkürlich und nicht geeignet ist, um mit ihr derart schwere Eingriffe in die Gesellschaft zu rechtfertigen. Von Jens Berger

Als Corona vor einem Jahr noch ein neues Thema war, begründeten Politik und Epidemiologie die Maßnahmen damit, man müsse das Gesundheitssystem vor dem drohenden Kollaps retten. „Flatten the curve“, hieß damals das politische Mantra. Die Schreckensszenarien der Politik-Berater Drosten („Mehr als eine Million zusätzliche Intensivpatienten“) und Meyer-Herrmann („Hunderttausende Intensivpatienten innerhalb weniger Monate“) traten jedoch nicht ein. Bis heute drohte dem Gesundheitssystem zu keinem Moment auch nur annähernd der Kollaps.

Die Politik schaltete um. Fortan hieß das Motto „Der Hammer und der Tanz“ – ein Modell, das übrigens auf einen IT-Blogger zurückgeht. Es wurde viel gehämmert und wenig getanzt und nachdem die Kapazitäten des Gesundheitssystems kein Thema mehr waren, mussten neue „Indikatoren“ her. Geboren war der sogenannte R-Wert, der nichts anderes als das Wachstum der Infiziertenzahlen – bemessen an den positiven durchgeführten PCR-Tests – aussagt. Spätestens im Sommer war jedoch auch dieser Indikator unbrauchbar, da bei einem niedrigen Infektionsgeschehen schon lokale Cluster wie der in der Fleischfabrik von Tönnies den R-Wert förmlich explodieren lassen. Und warum sollte man eine Schule in Garmisch schließen, wenn sich in Gütersloh die Mitarbeiter einer Fleischfabrik infizieren?

Wann genau der Begriff „Inzidenzwert“ in die politische Debatte Einzug hielt, lässt sich heute schwer sagen. Der erste Treffer im Archiv des SPIEGELs ist ein Beitrag vom 17. September, in dem es damals um die Frage ging, ob die Bundesliga ihre Spiele vor Zuschauern austragen könne. Die Maßnahmen von Bund und Ländern wurden erstmals im November mit diesem Wert begründet. Und wie wir heute wissen, war dies der Beginn des aktuellen Dauerlockdowns, der fortan an ebendiesen Wert gekoppelt sein sollte.

Doch was ist eigentlich der „Inzidenzwert“? Die Erklärung ist eigentlich sehr einfach. Dieser Wert beschreibt, wie viele Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in einem bestimmten Zeitraum positiv mittels der PCR-Methode auf das Sars-Cov2-Virus getestet wurden.

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