Die Pandemiemüdigkeit | Von Anna Coignard | KenFM.de

die-pandemiemudigkeit-|-von-anna-coignard-|-kenfm.de

26-03-21 04:37:00,

Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Wenn wir Verantwortung für die Zukunft übernehmen wollen, müssen wir aufhören, unsere Vergangenheit zu reinszenieren. 

Von Anna Coignard

Es ist aussichtslos — lasst uns also weiterkämpfen! Mit Durchhalteparolen hat die Regierung am Ende des Zweiten Weltkriegs versucht, die längst kriegsmüde Bevölkerung zu motivieren. Etwas Ähnliches geschieht jetzt in der Coronakrise:

Obwohl Lockdowns das Elend erkennbar nicht beenden, sollen die Menschen immer noch ein weiteres Mal durchhalten. Wir müssen uns bei all dem bewusst machen, dass es generationsübergreifende Traumata gibt. Das jetzige Verhalten der Mehrheit könnte insofern auf eine Prägung von „damals“ zurückgehen, obwohl es für die Situation heute gar nicht mehr zielführend ist. Entscheidend ist hierbei, dass es sich um eine akut lebensbedrohliche und mit Angst besetzte Situation handelt, bei der der Verstand teilweise ausgeschaltet ist. Das Ergebnis ist, dass die Menschen zwar nicht mehr können, jedoch glauben, immer noch weiter kämpfen und leiden zu müssen. Gibt es einen Ausweg aus dieser destruktiven Psychodynamik, und wie könnte dieser aussehen?

Neulich sagte mir ein Freund, die Menschen seien pandemiemüde; treffender kann ich es nicht beschreiben und will auch diesen Text nicht der immer wiederkehrenden Thematik unseres allgegenwärtigen Alltags widmen. Dennoch wird es kaum möglich sein, dieses Thema gänzlich zu umgehen, daher bitte ich auch all die Pandemiemüden vorab um ein wenig mehr Durchhaltevermögen, da der Gedankengang ein anderer ist.

Die Menschheit ist mittlerweile von dem Thema so gesättigt, dass sie weder die neuesten Schlagzeilen über das Voranschreiten der Impfkampagne unserer Regierung noch die brisantesten Ereignisse der Demonstrationen, die Entwicklung von Querdenken und das neueste Video der aktuell bedeutendsten Sprecher aufnehmen kann oder gar möchte. Der Punkt ist erreicht — mehr Corona geht nicht mehr in den Kopf hinein. Doch einfach ohne weiterzuleben ist ebenfalls nicht möglich, da das Thema nun mal da ist und für eine fortwährende Beschäftigung sorgt. Man kommt, ob man es möchte oder nicht,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: