Der zerbrochene Tagesspiegel | Von Richard Richter | KenFM.de

der-zerbrochene-tagesspiegel-|-von-richard-richter-|-kenfm.de

29-03-21 01:54:00,

Ein Standpunkt von Richard Richter.

In jüngster Zeit ist der Berliner Tagesspiegel mit drei Artikeln an die Öffentlichkeit getreten, die durch ihre offenkundige Verletzung journalistischer Standards aufgefallen sind. Dies betrifft den Artikel „Parteigründung via Livestream“ (1), den Artikel „Ovalmedia verbreitet Verschwörungslügen (2) sowie den Artikel „Die Verschwörungsmärchen, die Ovalmedia verbreitet“ (3), die sich alle drei dadurch auszeichnen, das sie jeweils eine einzelne Personen in den Mittelpunkt stellen und diese versuchen zu diskreditieren.

Die Verletzung journalistischer Standards ist für sich genommen in unserer Zeit leider keine Seltenheit mehr. Die Debatte um den Vertrauensverlust in die Medien, die vor sechs Jahren durch einen Beitrag von Stefan Niggemeier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auslöste worden war, würde heute wohl niemanden mehr schockieren. Wir haben uns daran gewöhnt, woran man sich eigentlich nicht gewöhnen sollte. Nämlich dass Journalismus und Public Relation Kampagnen eine immer engere Verbindung eingegangen sind.

Dass es Geld und Netzwerke darüber entscheiden, welche Politiker hoch- bzw. runtergeschrieben werden. Dass es die Interessen der NATO sind, die letztlich darüber entscheiden, ob ein Staat über eine ‚Regierung‘ oder lediglich über ein ‚Regime‘ verfügt. Der Journalismus hat sich auf diese Weise mehr und mehr der Werbung angeglichen, von der er sich ja eigentlich absetzen sollte. Doch im Falle des Tagesspiegels nahm die Verletzung journalistischer Standards zugleich die Form einer persönlichen Rufmordkampagne an. Damit hat der Tagesspiegel doch eine Grenze überschritten, die von anderen Blättern zumindest derzeit noch eingehalten wird. Das verdient eine genauere Betrachtung.

In dem am 16. Januar im Tagesspiegel erschienen Artikel „Parteigründung via Livestream – Polizei löst auch zweites Treffen auf“ geht es vordergründig um die Beschreibung einer Parteigründung, deren konstituierende Versammlung durch die Polizei unterbrochen wurde. Für den Artikel dient dieser Vorgang jedoch nur als Aufhänger, um stattdessen die an der Parteigründung beteiligte Rechtsanwältin Vivianne Fischer zu portraitieren. Dabei bedient sich der Artikel aus dem Tagesspiegel eines stilistischen Tricks, um Frau Fischer in ein möglichst negatives Licht zu rücken.

So bezeichnet der Artikel Frau Fischer wiederholt mit ihrem Geburtsnamen sowie ihrem inzwischen nicht mehr verwendeten zweiten Vornamen. Der Name von Frau Fischer spielt in dem Artikel eine derart große Rolle, dass der Tagesspiegel dies sogar extra mit zwei Fotos unterlegt,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: