Die Angst vor dem eigenen Irrtum | Von Paul Schreyer | KenFM.de

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30-03-21 02:06:00,

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Die Vehemenz und Schärfe bei der Ausgrenzung kritischer Stimmen irritiert weiterhin und ist sachlich kaum erklärbar. Über Meinungen, Fakten und deren Interpretation müsste man sich verständigen können. Warum ist das in der Corona-Krise nicht möglich? Es scheint, als ob abseits von Politik und Rationalität noch ein anderes Motiv wirkt.

Ein Kommentar von Paul Schreyer.

Vor einem Jahr, zu Beginn der Krise, ließ sich mühelos argumentieren, dass die meisten Politiker und Journalisten ehrlichen Herzens vor der Virusgefahr warnen und sich tatsächlich um die Stabilität des Gesundheitssystems sorgten. Mit dem rigorosen und dauerhaften Abblocken und Diffamieren aller Kritiker wurde diese Begründung jedoch brüchig. Denn warum war und ist eigentlich kein Gespräch miteinander möglich? Woher der unbedingte Wille, eine kontroverse Debatte zu vermeiden und die strikte Weigerung, bestehende Annahmen in Frage zu stellen? Woher, mit einem Wort, die Unerbittlichkeit?

Der Unmut darüber ist schon lange groß, es gibt viele Erklärungsversuche, auch Appelle an Journalisten, doch vielfältiger zu berichten und denjenigen Fachleuten Gehör und Sendezeit zu schenken, die von der Regierungslinie abweichen. Die Aufrufe jedoch verhallen – es ändert sich praktisch nichts.

Die einen sagen, das liege an zu großer Regierungsnähe, andere verweisen auf ein sozial sehr homogenes journalistisches Feld, also eine starke Ähnlichkeit der meisten Journalisten in Herkunft, Milieu und politischen Ansichten. Für beides gibt es gute Belege. Der Autor Marcus Klöckner wies schon vor der Corona-Krise in seinem Buch „Sabotierte Wirklichkeit“ 2019 darauf hin, dass die Kritik an den Medien über diese Argumente noch hinausgehen müsse und reale Machtkämpfe nicht ausblenden dürfe:

„Es geht um die Vorherrschaft bei der Schaffung medialer Wirklichkeit. Es wäre reichlich naiv anzunehmen, sauber vorgetragene Lösungsvorschläge könnten etwas verändern. Wie eingangs geschrieben: Aus Sicht der dominierenden Akteure gibt es ja nicht mal ein Problem – außer eben, dass es da diese ‚Spinner‘ gibt. Da ist er, der soziale Kampf. Und dieser Kampf wird mit großer Härte geführt. (…) Machen wir uns nichts vor: Die Weichensteller in den Medien wissen um die Verhältnisse. Sie sehen, wie ihnen die ‚Felle‘ wegschwimmen.

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