Die Nachhaltigkeit der Wissenschaft – Jörg Phil Friedrich im Gespräch mit Hans von Storch

die-nachhaltigkeit-der-wissenschaft-–-jorg-phil-friedrich-im-gesprach-mit-hans-von-storch

30-03-21 01:53:00,

In der vorletzten Woche fand in Hamburg die 12. Deutsche Klimatagung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft statt. Genauer gesagt fand sie natürlich online statt, auch die Klimaforschung ist im Griff der Pandemie. Aber auch im Programm der Tagung spielte die Pandemie eine Rolle, nämlich bei der Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wandeln muss. Hans von Storch, früherer Institutsleiter des Helmholtz Zentrums Geesthacht und Professor an der Universität Hamburg, ist der Meinung, die Klimaforschung könnte hier einiges von den Virologen lernen. Darüber sprach Jörg Phil Friedrich mit dem Klimaforscher.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Podcast: Play in new window | Download

Sie haben die These vertreten, dass die Kommunikation der Wissenschaft in der Pandemie eigentlich besser gelungen ist als in der Klimaforschung. Was könnte diese von der Virologie lernen?

Wenn Wissenschaftler in der Öffentlichkeit auftreten, muss der Grundsatz sein, dass sie nicht Wahrheit, sondern die beste Erklärung im Rahmen des derzeitigen Wissens anbieten. Das ist der Epidemiologie nach meiner Wahrnehmung wesentlich besser gelungen als der Klimawissenschaft, weil wir in der Klimawissenschaft eben doch eine ganze Menge aktivistische Kollegen haben, die vor allem daran interessiert sind, dass eine motivationsstarke Deutung der Situation entsteht, auf der dann möglichst ungehindert eine entsprechende Politik aufbaut. In der Epidemiologie, so ist in meine Wahrnehmung, wurde nicht damit hinter dem Berg gehalten, dass verschiedene Wissenschaftler verschiedene Meinungen haben.

Der zweite Punkt ist, dass sich die Virologen und Epidemiologen weniger direkt in die Politik einspannen lassen, so wie das in der Klimawissenschaft bei den aktivistisch eingestellten Kollegen oft ist. Da wird suggeriert, aus der Wissenschaft folge direkt politisches Tun. Das ist im Falle der Epidemiologie nicht so. Da wird immer deutlich, dass am Ende eine politische Entscheidung zu fällen ist, die eben die verschiedenen Aspekte einschließlich der epidemiologischen zu berücksichtigen hat. Das, fand ich, war sehr vernünftig und es hat eben auch klargestellt, dass die Politik nicht so tun kann, als folge sie nur den Anweisungen der Wissenschaft. Tut sie auch nicht. Das wäre furchtbar, wenn sie das täte. Politik hat den Auftrag, Interessen abzuwägen, verschiedene Aspekte abzuwägen, gesellschaftliche Verhandlungen zu führen. Das ist natürlich etwas ganz anderes als Wissenschaft.

Wissenschaftliche Wahrheit ist eben keine Wahrheit im Sinne von „letzter Wahrheit“.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: