Tödlicher Beruf

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31-03-21 10:48:00,

Fast zwei Jahrzehnte nach Beginn der NATO-Besatzung gehört Afghanistan zu den tödlichsten Ländern für Journalisten und Medienschaffende. Verantwortlich hierfür sind auch jene Akteure, die sich meist die Pressefreiheit auf die Fahne schreiben. Eine Reportage von Emran Feroz aus Kabul.

Fazelminallah Qazizais schwarzer Toyota ist verstaubt und abgenutzt. Der Wagen fährt, doch einige leichte Schäden sind bemerkbar. „Der muss mal dringend wieder gewartet werden“, bemerkt der 34-jährige Journalist, während er sich durch den anstrengenden Kabuler Verkehr durchschlängelt. Der Zustand des Autos ist nicht überraschend. Immerhin handelt es sich hierbei quasi um Qazizais Dienstwagen, mit dem er – stets selbst am Steuer – fast ganz Afghanistan bereist hat. Der Toyota hat mehr gesehen als die meisten Afghanen selbst: Von den Bergen des nördlichen Badakhshans bis hin zur Wüste Kandahars. Er hat damit auch die verschiedensten Checkpoints durchquert. Afghanische Armee und Polizei, IS-Milizen und Taliban oder US-Soldaten und Drogenschmuggler – Qazizai hat sie alle erlebt. Für den Journalisten, der hauptsächlich für internationale Medien berichtet, ist die stetige Präsenz vor Ort wichtig – auch außerhalb Kabuls während der verschiedensten Gefahrensituationen. In Afghanistan ist dies alles andere als einfach. Mittlerweile gehört das Land zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten. Anfang März wurden drei Journalistinnen des Fernsehsenders Enikass in der östlichen Stadt Dschalalabad von IS-Terroristen ermordet. Im vergangenen Jahr wurden mindestens acht Journalisten landesweit während der Ausübung ihrer Arbeit getötet.

Viele Medienschaffende sind in den letzten Wochen und Monaten geflüchtet. Für Qazizai kommt dies nicht in Frage. „Ich habe hier meine Familie. Wir waren schon immer hier und ich denke nicht, dass sich das ändern wird“, meint er. Aufgrund seiner Erfahrung und seinen guten Verbindungen ist Qazizai ein gefragter Mann. Während viele seiner Kollegen Fluchtpläne schmiedeten, kutschierte er vor wenigen Wochen New-Yorker-Legende Dexter Filkins durch Kabul und arrangierte für ihn Treffen mit Taliban-Offiziellen. Wie viele andere Afghanen war er anfangs als sogenannter Fixer für ausländische Korrespondenten tätig, bevor er in den Beruf des Journalisten wortwörtlich hineinrutschte. 2019 erschien sein erstes Buch über den Afghanistan-Krieg bei einem renommierten Londoner Verlag. Trotz der Gefahrensituation hat sich der Arbeitsalltag für Qazizai kaum verändert. Dies habe allerdings auch damit zu tun, dass er im Vergleich zu anderen Gesichtern eher unbekannt sei. „Bekannte Kollegen, die auch regelmäßig im Fernsehen präsent sind, erleben eine andere Art der Bedrohung. Doch für die meisten von uns wird sich nichts ändern.

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