Der zerbrochene Tagesspiegel | KenFM.de

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02-04-21 08:56:00,

Von Richard Richter.

In jüngster Zeit ist der Berliner Tagesspiegel mit drei Artikeln an die Öffentlichkeit getreten, die durch ihre offenkundige Verletzung journalistischer Standards aufgefallen sind. Es handelt sich um den Artikel „Parteigründung via Livestream“ (1), den Artikel „Ovalmedia verbreitet Verschwörungslügen (2) sowie den Artikel „Die Verschwörungsmärchen, die Ovalmedia verbreitet“ (3). Alle drei Text zeichnen sich dadurch aus, dass sie jeweils eine einzelne Person in den Mittelpunkt stellen und den Versuch unternehmen, diese zu diskreditieren.

Die Verletzung journalistischer Standards ist für sich genommen in unserer Zeit leider keine Seltenheit mehr. Die Debatte um den Vertrauensverlust in die Medien, die vor sechs Jahren durch einen Beitrag von Stefan Niggemeier in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ausgelöst worden war, würde heute wohl niemanden mehr schockieren. Wir haben uns daran gewöhnt, woran man sich eigentlich nicht gewöhnen sollte, nämlich, dass Journalismus und Public-Relations-Kampagnen eine immer engere Verbindung eingegangen sind. Dass Geld und Netzwerke darüber entscheiden, welche Politiker hoch- bzw. runtergeschrieben werden. Dass es die Interessen der NATO sind, die letztlich darüber entscheiden, ob ein Staat über eine „Regierung“ oder lediglich über ein „Regime“ verfügt. Der Journalismus hat sich auf diese Weise mehr und mehr der Werbung angeglichen, von der er sich ja eigentlich absetzen sollte. Im Falle des „Tagesspiegels“ nimmt die Verletzung journalistischer Standards nun allerdings sogar die Form einer persönlichen Rufmordkampagne an. Damit hat das Blatt eine Grenze überschritten, die von anderen Zeitungen – zumindest derzeit noch – eingehalten wird. Das verdient eine genauere Betrachtung.

In dem am 16. Januar im „Tagesspiegel“ erschienen Artikel Parteigründung via Livestream – Polizei löst auch zweites Treffen auf geht es vordergründig um die Beschreibung einer Parteigründung, deren konstituierende Versammlung durch die Polizei unterbrochen wurde. Für den Artikel dient dieser Vorgang jedoch nur als Aufhänger, um stattdessen die an der Parteigründung beteiligte Rechtsanwältin Viviane Fischer zu portraitieren. Dabei bedient sich der „Tagesspiegel“ eines stilistischen Tricks, um Frau Fischer in ein möglichst negatives Licht zu rücken: Der Artikel bezeichnet sie wiederholt mit ihrem Geburtsnamen sowie ihrem inzwischen nicht mehr verwendeten zweiten Vornamen. Der Name von Frau Fischer spielt eine derart große Rolle, dass man das Thema sogar extra mit zwei Fotos unterlegt hat,

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