Die Begriffsverwirrung

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02-04-21 02:05:00,

Ein Hauptauslöser dieser Debatte ist sicherlich die Arte-Dokumentation „Profiteure der Angst“ (1) aus dem Jahr 2009. In dem Film wird dargelegt, wie es seinerzeit dazu kam, dass die Verbreitung des H1N1-Virus zu einer globalen Pandemie, der sogenannten Schweinegrippepandemie, erklärt werden konnte. Eine Pandemie, die sich letztlich als eine der mildesten Grippewellen der vergangenen Dekaden entpuppte.

Die Filmemacher wiesen darauf hin, dass die WHO im Mai 2009 eine Umdefinierung des Pandemiebegriffs vorgenommen hatte, bevor die Schweinegrippepandemie im Juni desselben Jahres offiziell ausgerufen wurde. Demnach habe die WHO zwei wesentliche Punkte aus der Pandemiedefinition gestrichen: Zum einen, dass es für die Ausrufung der höchsten Pandemiestufe eine enorme Anzahl an Todesfällen geben muss, und zum anderen, dass es zu einer ebenso großen Anzahl an Erkrankungen in mehreren Staaten kommen muss.

Eine Umdefinierung, die nun wieder seit Monaten den Kern hochumstrittener Debatten bildet. Denn nachdem die Dokumentation jahrelang im Schatten des öffentlichen Interesses brachlag, war sie es, die zu Beginn der Corona-Krise eine bis heute andauernde Kontroverse entfachte.

So trug ein „Faktencheck“ des Recherchenetzwerks Correctiv vom Oktober 2020 den Titel: „Nein, eine hohe Sterblichkeitsrate war bei der WHO nie Voraussetzung für ,Pandemie‘-Definition.“

Den Recherchen der Journalisten zufolge habe die Sterblichkeitsrate bei der Definition der unterschiedlichen Pandemiephasen durch die WHO weder vor der Schweinegrippepandemie noch danach eine Rolle gespielt. Die Filmemacher von Arte hätten sich fälschlicherweise auf einen Q&A-Beitrag der WHO zur Influenzapandemievorsorge bezogen, in welchem die WHO – sozusagen entgegen ihrer eigenen Leitlinien — übermäßige Todesfälle und eine große Anzahl an Erkrankungen in den Pandemiebegriff integrierte.

Unerwähnt lassen die Faktenchecker dabei allerdings, dass das Team von Arte sich damals nicht ausschließlich auf das genannte Online-Dokument, sondern auch auf die Aussagen von Sprechern der WHO und externen Experten gestützt hatte, was mir die Autorin des Films in einer Presseanfrage bestätigte. Ein ziemliches Definitionswirrwarr also, bei dem selbst die Mitarbeiter der WHO scheinbar den Überblick verloren haben.

Doch die Verwirrung in Fragen korrekter Pandemie-Termini beschränkt sich nicht nur auf die Angestellten der WHO. Auch der Internetauftritt des Robert Koch-Instituts (RKI) zeugt in diesem Zusammenhang von einer gewissen Konfusion — zumindest, was die nähere Vergangenheit angeht. In einer Stellungnahme unter dem Titel: „Hat die Weltgesundheitsorganisation die Pandemiephasen-Definition geändert,

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