Kollektive Selbstzerstörung

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02-04-21 01:41:00,

Mir geht es nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen, Schuld zuzusprechen oder dergleichen. Schuld und Scham nützen keinem etwas. Es geht darum, etwas zu lernen und dann ins Tun zu kommen. Es ist dringend notwendig — um die Not zu wenden —, die Wahrheit einmal anzuschauen, auch wenn es weh tut, auch wenn es peinlich ist, auch wenn man es doch all die Jahre nicht wissen, nicht sehen, nicht hören wollte, weil es so störend war.

Die bequeme Wohlstandsruhe, darum ging es doch. Das eigene kleine Leben so nett wie möglich zu machen, was dem ein oder anderen mehr oder weniger gelungen ist oder vielleicht noch gelingen könnte. Und was gingen mich denn mein Bruder oder meine Schwester an, dort in derselben Stadt, die auf der Straße leben mussten oder in einer kleinen Mietwohnung verstarben, und wochenlang hat es niemand bemerkt? Oder die geschlagen und mißhandelt wurden, nebenan, man hat es gehört, man hat es geahnt, ja, gewusst, doch mischt man sich ja nicht in die Angelegenheit anderer Leute ein, nicht wahr, als anständiger Bürger schaut man weg.

Und für die armen hungernden Kinderlein in Afrika oder sonstwo, da hat man schon auch mal ein paar Groschen gestiftet, das muss ja wohl reichen, was hab ich denn mit Afrika zu tun, wenn die dort nicht in der Lage sind, mit Fleiß und Anstrengung ihr Schicksal besser zu richten! Schließlich bekomme ich hier ja auch nichts geschenkt, muss mir meinen Wohlstand auch hart erarbeiten.

Wir haben lange schon rund um die Uhr die Möglichkeit, an alles Wissen und an alle Informationen zu kommen, die wichtig und nötig sind, um als aufrechter und informierter Mensch in einer Welt voller Mitmenschen, für die wir mitverantwortlich sind, das zu tun, was unsere Aufgabe ist: eigenverantwortlich aus freiem Entschluss endlich, nach so vielen dunklen Jahrhunderten, diese Welt zu einem lebensbejahenden Lebensraum zu gestalten, in welchem alle Menschen sich gerne und frei entfalten und entwickeln können zum Höchsten, zu dem sie fähig sind. Schöne Sprüche wie man sei nur dann glücklich, wenn auch der Mitmensch glücklich sei, kursieren überall; jeder kennt das, und beim Lesen stimmt man zu und freut sich über diesen erbaulichen geistigen Erguss. Aber zuständig dafür fühlten wir uns wohl nicht, oder?

Wir waren zu beschäftigt, beschäftigt mit alldem, was wir für unser kleines Glück hielten,

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