Das geplante Desaster der Deutschen Bahn

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03-04-21 12:30:00,

Das Desaster der Deutschen Bahn ist kein Versehen. Es gibt Täter. Sie sitzen in der Bundesregierung, im Bundestag und seit Jahren im Tower der Deutschen Bahn. Arno Luik, langjähriger Stern-Autor und profilierter Bahn-Kenner, zeigt in seinem Buch „Schaden in der Oberleitung“ das komplette Desaster detailliert auf. Nun ist das Buch als aktualisierte Taschenbuchausgabe erschienen – ein Auszug aus dem neuen Vorwort.

Starke Schiene, heißt es jetzt: 60, 70, ja, 90, vielleicht sogar 150 Milliarden Euro Steuergeld sollen in den kommenden zehn Jahren in die Bahn fließen, zwölf Milliarden Euro will die Bahn jetzt sofort in neue Züge investieren. Es soll alles besser, zuverlässiger, pünktlicher werden. Und die Bahn AG möchte dafür gelobt werden, dass sie ihr Geld diesmal in Deutschland investiert – und nicht, sagen wir mal, in Kasachstan. Oder in Russland, wo Mehdorn seit 2018 als Aufsichtsratsmitglied der staatlichen Eisenbahngesellschaft unterwegs ist.

Zieht nun endlich Vernunft ein, darf ich mich als Bahnfahrer über diese wahrhaft astronomischen Summen freuen? Nein, unglücklicherweise nein.

Diese Unsummen, die nun investiert werden sollen (»sollen« heißt noch lange nicht, dass sie auch tatsächlich investiert werden), belegen, wie die Herren und Damen im Bundeskanzleramt und ihre Verkehrsminister und Bahnchefs in den vergangenen 25 Jahren – seit der Bahnreform 1994 – gestümpert haben, wie sie die Bahn systematisch haben verkommen lassen. Diese Unsummen offenbaren, wie volkswirtschaftlich desaströs in den vergangenen 30 Jahren die Bahnchefs – also Heinz Dürr, vor allem aber Hartmut Mehdorn und nicht zuletzt Rüdiger Grube – in ihrer Unfähigkeit gewirkt haben. Wie sie in ihrem Größenwahn agiert und ohne Rücksicht auf Kosten, Sinn und Zweck und Verstand einen weltumfassenden Logistikkonzern geschaffen und dabei ein riesiges Volksvermögen verschleudert haben. Im Grunde ein Fall für Gerichte. Aber, wie gesagt, nun soll es ja tatsächlich besser werden mit dieser Deutschen Bahn.

Und so überbieten sich Politiker und Bahnmanager derzeit in ihren Versprechungen: Eine Verdoppelung der Reisenden im Fernverkehr soll es geben, die Güterbahn soll 70 Prozent mehr transportieren als heute, und es sollen demnächst wieder einige Nachtzüge ins Ausland rollen, die die Bahn AG vor ein paar Jahren unsinnigerweise und gegen massiven Kundenprotest eingestellt hat. Aber vor allem setzen die Bahnmanager seit einiger Zeit auf ein Wunder, das nahezu alle Probleme lösen werde: den »Deutschland-Takt«. Abgesehen davon, dass die Bahnbosse eine unselige Tradition von nie eingehaltenen Versprechungen haben,

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