Der unkündbare Newsletter | KenFM.de

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05-04-21 07:45:00,

Ein Kommentar von Dirk C. Fleck.

Ich bin kein großer Fan von Newslettern, die meisten habe ich abbestellt. Einen allerdings nicht. Das hat sicher auch damit zu tun, dass er in etwa nur alle halbe Jahr verschickt wird, aber vor allen Dingen hat es damit zu tun, dass er jedes Mal wertvolle Wortfracht überbringt. Absenderin ist Liane Dirks, eine deutsche Schriftstellerin, deren Roman „Vier Arten meinen Vater zu beerdigen“ mich sehr beeindruckt hat. Auch dieses Statement, das sich auf ihrer Website findet (www.liane-dirks.de), hat mich im Innersten berührt: “Kunst machen zu wollen, schreiben zu wollen, singen zu müssen – das kommt mit einer ungeheuren Wucht daher. Es haut einen um. Es fordert, es verlangt, es will in die Welt, es ist ein Auftrag. Und es lässt nicht mehr locker. Wild, bedingungslos, sehr oft gnadenlos, hart und lustvoll, unglaublich schön, nichts verleugnend, alles umarmend und immer im Werden. Kunst zu machen fordert den Menschen ganz und: es fordert einen ganzen Menschen.“

Im letzten Newsletter nun teilt Liane Dirks mit, dass wir, also jeder Einzelne von uns, aus hundert Billionen Zellen bestehen, wer immer das gezählt haben mag. Das sind tausend Milliarden, also eine Eins mit zwölf Nullen: 1 000 000 000 000. Eine Eins mit zwölf Nullen ist als Größenordnung nicht vorstellbar. Liana Dirks versucht uns trotzdem eine Vorstellung zu geben:

Das ist, als würde man den Sternenhimmel, genauer gesagt die gesamten Sterne unserer Galaxie auf einen einzigen, winzigen Punkt zusammenziehen, und dieser Punkt heißt Mensch“.

Beeindruckend, oder? Wir müssen uns keinen Kopf darüber machen, ob die Zahl stimmt, unser Körper mag aus mehr oder weniger Zellen bestehen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass wir Verwalter eines eigenen Universums sind, in dem jede Zelle nicht nur davon abhängig ist, wie pfleglich wir mit uns umgehen, sondern auch davon, in welcher geistigen Verfassung wir uns gerade befinden. Die hundert Billionen Zellen sind nämlich kein Klumpen, sie sind ein „instabiler Raum“, wie es der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr nannte, in dem sich Geist und Materie eine Weile lang lieben dürfen, bis sie sich einen neuen Raum suchen.

Den eigenen Körper mit all seinen Möglichkeiten und Begrenzungen und vor allem mit seiner Vergänglichkeit zu umarmen,

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