Die Abschiebeoase

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06-04-21 12:43:00,

Auch in Zeiten von Krieg und Pandemie werden Geflüchtete weiterhin nach Afghanistan abgeschoben. Allein in den letzten Wochen fanden mehrere Abschiebungsflüge statt. Die Betroffenen stehen oftmals vor dem Nichts – und landen in einem fragwürdigen Hotel in der Kabuler Innenstadt. Von Emran Feroz aus Kabul.

Das Hotel „Spinzar“ liegt im Herzen Kabuls. Nahe der belebten Hauptstraße befindet sich der alte Basar, die Baghe-Omumi-Brücke sowie die bekannte „Moschee des Zweischwertigen Königs“. Viele Menschen spazieren am Hotel vorbei, ohne dem Gebäude Beachtung zu schenken. Es wirkt unauffällig und etwas heruntergekommen, so wie viele andere Bauten in der Gegend. Wortwörtlich übersetzt bedeutet „Spinzar“ „weißes Gold“, doch davon ist, zumindest heute, nichts zu sehen. Der Alltag im „Spinzar“ erscheint etwas öde. Ein Wachmann sitzt gelangweilt vor dem Eingang. Besucher, die es selten gibt, filzt er kaum. Der Rezeptionist ist mit seinem Handy beschäftigt. Manchmal ruft er Gäste auf, nach denen gefragt wird. Die Lobby mit den verstaubten Möbeln ist meist leer. Der Essenssaal wirkt unbenutzt.

Ausgerechnet hier landen mehrmals in der Woche abgeschobene Geflüchtete aus aller Herren Länder. Allein in den letzten Tagen checkten Abgeschobene aus Deutschland, Österreich und dem Iran im „Spinzar“ ein – unfreiwillig. Das Hotel ist der erste Schritt in das neue, alte Leben der abgeschobenen Afghanen. Dass sie ausgerechnet hier landen, ist kein Zufall. Seit rund fünf Jahren arbeitet das „Spinzar“ mit IOM („Internationale Organisation für Migration“) zusammen. Viele der „Gäste“ sind keine wirklichen Reisenden, sondern verzweifelte Menschen, die in Kabul keine Anlaufstelle haben. Nachdem die Geflüchteten am Kabuler Flughafen landen, sind sie praktisch gezwungen, im Hotel zu übernachten – oder auf der Straße. Dass dies meist unschön endet, ist mittlerweile bekannt. „Vor einigen Jahren brachte sich im Hotel ein junger Mann nach seiner Abschiebung um. Da haben viele erst bemerkt, was hier vor sich geht“, erzählt ein Buchhändler, dessen Stand sich neben dem „Spinzar“ befindet. Er hat Mitleid mit jenen Afghanen, die abgeschoben werden. „Am liebsten würde auch ich gemeinsam mit meiner Familie das Land verlassen. Wir können uns allerdings keine Flucht leisten“, sagt er.

Das Hotel profitiert von der Zusammenarbeit mit IOM. Die Probleme der Abgeschobenen will es dennoch nicht herunterspielen. „Wir unterstützen ihre Abschiebung nicht. Sie haben große Risiken auf sich genommen, um vor dem Krieg zu flüchten. Dass sie am Ende zurückgebracht werden, ist auch für uns schmerzhaft“,

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