Wenn schon nicht reisen – wenigstens dran denken. Ein Politischer Blick auf die Ruinen

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11-04-21 10:03:00, Religion und Macht

Um auf die vielen offenen Fragen plausible Antworten zu finden, soll im Folgenden der Versuch gemacht werden, die bisher am ehesten überzeugende Theorie (Observatorium) zu ergänzen mit Überlegungen über die politische Rolle der systematischen Naturbeobachtung und über die Bedeutung der Geheimhaltung für die Gewinnung und Erhaltung der Macht im Inkareich.

Dessen Herrschaftssystem war eine religiös überhöhte absolute Macht über eine Bevölkerung, deren wichtigste Rolle darin bestand, sich beherrschen zu lassen. Wie so oft in der Geschichte der Menschheit spiegelte die Architektur von Palästen und Tempeln, von Häusern und Städten genau diese Machtverhältnisse. Das galt für die Hauptstadt Cusco und das gilt, dies soll hier gezeigt werden, auch für ein Observatorium für eine langfristige Erforschung der Himmelskörper in Machu Picchu.

Zunächst zu Cusco: Der dem Sonnengott gewidmete Tempel Coricancha in Cusco war die heiligste Stätte des Inkareichs. Er wurde von den Spaniern weitgehend zerstört und durch das Kloster Santo Domingo überbaut. Inzwischen sind aus den Tempelruinen einige Mauerreste wieder freigelegt und vermitteln einen Eindruck von Räumlichkeiten und Größenverhältnissen.

Was es in Cusco n i c h t gibt, sind riesige Tempelhallen, die der Ausdehnung des Inkareichs, der Macht und dem Reichtum seiner Könige entsprochen hätten. Die massiven (und trotz des harten Steins geradezu fein ziselierten) Mauern lassen eher die Vermutung aufkommen, dass hier das Volk draußen gehalten werden sollte. Die Untertanen mussten ihre Opfergaben vor den Toren des Tempels ablegen. Was im Inneren vorging, blieb dem einfachen Volk verborgen. Die Kenntnis der Rituale war Herrschaftswissen. Nur so konnten gezielt Informationen nach draußen transportiert werden, mit denen die Ehrfurcht, wohl auch die Angst der Menschen wachgehalten werden sollten.

Ein Blick in andere Kulturen

Ihr spezifisches Herrschaftssystem mögen die Inkas selbst geschaffen haben, vielleicht auch, ohne viel ältere, ähnliche Muster gekannt zu haben. Wahrscheinlich ist aber die Überhöhung irdischer Macht in die Transzendenz mehrfach in verschiedenen Kulturen „erfunden“ worden.

Die Pharaonen in Ägypten haben so geherrscht. Der Pharao war heilig und musste nach dem Tod einbalsamiert werden, damit er in menschlicher Gestalt auch für sein Volk den Weg ins Jenseits bereiten konnte.

Im Judentum ist die Absonderung des „Heiligsten“, der Bundeslade, durch einen Vorhang im Tempel augenfällig beschrieben worden. Verborgen wurde ein Ort, den auch der oberste Priester nur einmal im Jahr betreten durfte, weil Gott dort „sichtbar“ wurde.

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