Das Einmaleins der Macht

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13-04-21 10:08:00,

In der Vergangenheit wurde Macht vor allem auf zwei Arten ausgeübt: zum einen durch rohe, physische Überlegenheit und die damit einhergehende Fähigkeit, Zwang auszuüben; dem gegenüber steht die Machtausübung durch eher subtile, intellektuelle Überlegenheit, mit deren Hilfe man andere, vorwiegend durch Täuschung, manipulieren und kontrollieren kann.

Während des Mittelalters waren in Deutschland und Europa beide Formen präsent. Die grobe, weltliche Macht lag formal in den Händen der Fürsten und Könige, die über Armeen verfügten und ihren Willen gewaltsam durchsetzen konnten. Der Klerus, also die Vertreter der sogenannten Geistlichkeit, bestimmte maßgeblich, woran die Menschen damals glaubten. Die Geistlichen waren die Herren der Meinungen und Ansichten und genossen hohes Ansehen und Vertrauen. Das brachte sie in eine Position, in der sie ihre Zuhörer, von ihrer Kanzel herab, beinahe nach Belieben mit Gedanken und Ideen füttern konnten. Viele der gepredigten Inhalte zielten vor allem darauf ab, Vorteile für die klerikale Klasse zu schaffen.

Tatsächlich hatte der Klerus nicht nur Kontrolle über die Gedanken der gemeinen Bevölkerung, sondern besaß auch die letztendliche Macht über die weltlichen Fürsten. Das wird zum Beispiel am berühmten Gang nach Canossa deutlich, als der weltliche König Heinrich IV. im 11. Jahrhundert nach Canossa reiste, um sich vor Papst Gregor VII. zu verneigen und so seine Niederlage in einem Kampf um das Recht darüber, Bischöfe und Äbte in ihre Kirchenämter einzusetzen, einzugestehen und um Vergebung zu bitten. Generell waren die Könige und Kaiser des damaligen Deutschen Reiches von der Gunst des Papstes abhängig, der seine Dominanz ihnen gegenüber bei deren Krönung demonstrierte. Schließich war es der Papst, der dem Kaiser die Krone aufs Haupt setzte und nicht umgekehrt. Der Kaiser empfing seine Macht so symbolisch vom Papst.

Die eigentliche Macht lag also beim Klerus und damit bei den Herrschern über Gedanken und Ideen. Wie konnten sie die weltlichen Fürsten trotz deren Armeen kontrollieren?

Indem sie mithilfe von unantastbaren Glaubenssätzen geistige Gefängnisse konstruierten, aus denen einzelne Individuen nur schwer entfliehen konnten. Verbreitet eine Vertrauens- und Autoritätsperson, wie beispielsweise ein örtlicher Pfarrer, Überzeugungen wie die von der Existenz eines Fegefeuers und ähnliche, angsteinflößende Mythen, lähmt die daraus entstehende Angst die jeweiligen Gläubigen oft so sehr, dass sie es nicht einmal wagen, den Mythos selbst zu hinterfragen.

Darüber hinaus können die wenigen, die die Informationen des Priesters hinterfragen, kaum über ihre Ansichten sprechen,

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