Die Wiederentdeckung der Seele

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13-04-21 10:07:00,

„Der Materialismus ist ein Zeichen geistiger Dekadenz, eine Aushöhlung des Inneren“ (1).

Dieser Satz, von Rudolf Steiner am 10. Oktober 1907 bei einem Vortrag in Berlin ausgesprochen, ist wohl heute so aktuell wie damals.

Das Zeitgeschehen mit COVID-19 offenbart nicht nur den fast vollständigen Sieg des Materialismus, sondern auch seine Grausamkeit und Verhärtung. Ein aufgeblähter Machtapparat mit arroganter Hybris setzt sich über Grundrechte, Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen hinweg. Die autoritativen Zwänge und Regelungen mit ihrem diffusen, undifferenzierten Zahlenspiel, die Suggestionen, Manipulationen und Lügen haben das Zepter übernommen, während wissenschaftliche, medizinisch fundierte Studien und Aussagen ignoriert und diffamiert werden. Offener Dialog und Logik wurden vom Schauplatz entfernt, um dem neuen Glaubensbekenntnis der Politik Platz zu machen, welches die Gesundheit des Körpers als oberstes Ziel deklariert und keinerlei Zweifel und Widerspruch duldet.

Weder das Vorhandensein eines weisheitsvollen Immunsystems noch die Bedeutung einer gesunden, beziehungsfähigen und freudigen Seele finden Beachtung bei den Mächtigen. Der Mensch wird reduziert – reduziert auf den Körper, auf die Materie. Dabei wird der Blick auf die gequälte Psyche der Kinder und Erwachsenen, auf die existenziellen Ängste und Nöte, auf die weltweiten Kollateralschäden mit Tausenden von Toten, Hungernden und in die Armut getriebenen Menschen weitgehendst vermieden.

Die Erkenntnis, dass der Mensch aus Geist, Seele und Körper besteht, wurde vom Vierten Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 mit dem Bannfluch belegt. Die Lehre von der Trichotomie, der dreigliedrigen Differenzierung der menschlichen Wesenheit, wurde verurteilt. Seitdem spricht man von Seele und Körper des Menschen, der Geist wurde ihm abgesprochen. Wenn man die Trichotomie trotzdem anerkannte, so galt man im Mittelalter als Ketzer.

Der Abstieg in die Materie, der Werteverfall, das Desinteresse an seelisch-geistiger Entwicklung, am Auftrag und Sinn des Lebens nahmen mit der Verdunkelung der höheren Geistindividualität ihren Lauf.

Doch immer wieder zeigen sich Kräfte und Strömungen auf dem irdischen Plan, die diesem Entwicklungsabstieg und Materialismus entgegenstehen und getragen sind von der Gewissheit, dass der Mensch mehr ist als nur Materie und der Geist nicht eliminiert werden kann.

Es scheint, als stehe die Menschheit mit dem gegenwärtigen Zeitphänomen an einem bedeutungsvollen Scheideweg: Auf der einen Seite weist der Pfad zur Aufwärtsentwicklung, zum eigenständigen, individuellen Menschen, der mit eigener Gedankenkraft, Selbstbestimmung, Freiheit und der damit verbundenen Verantwortung das Leben in eine ästhetische Führung lenkt, der das Menschsein in seiner vollkommenen und edelsten Form erstrebt.

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