Die Schnelltestgefahr

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14-04-21 07:04:00,

Mittlerweile dämmert großen Teilen der Bevölkerung, dass die gesellschaftlichen Veränderungen des vorigen Jahres zu tiefgreifend für eine spontane Revision sind. Selbst denjenigen, die den wiederkehrenden Versprechungen und Appellen der Kanzlerin, es seien jetzt wirklich nur noch drei harte Monate, Vertrauen und Hoffnung geschenkt hatten, dürfte immer klarer werden, dass es so, wie es vorher war, nicht mehr sein wird.

Die Freiheit, die für uns einmal selbstverständlich war, werden wir uns nun Stück für Stück zurückerobern müssen und das zu Preisen, die dem einen geradezu lapidar als ein notwendiges Übel erscheinen und dem anderen weit über das hinaus gehen, was er seiner Würde als Mensch zumuten kann und will — und ihn somit an den Rand seiner gesellschaftlichen Existenzberechtigung treibt.

Der Fahrschein in das Bisschen alte Normalität, nach dem sich viele so sehr sehnen und den viele aus ihrer massiven psychischen Not der vergangenen Monate heraus tatsächlich brauchen, heißt weder Impfung noch Maske. Beides, so heißt es, sei notwendig, aber nicht hinreichend. Denn auch wer geimpft ist, sei schließlich infektiös. Maske und Abstand sind längst keine Gehorsamsleistungen des Bürgers mehr, für die der Staat belohnt. Nein, der erste Preis, der für ein kleines Stück Funktionalität gesellschaftlichen Lebens zu zahlen ist, und sei es nur der Besuch von Schule und Arbeitsplatz, wirkt vergleichsweise harmlos, wenn nicht sogar verlockend: ein Schnelltest. Doch was damit einhergeht, bedeutet insbesondere für Kinder kollektive Traumatisierung sowie Stigmatisierung — und scheint erschreckenderweise sogar reale gesundheitliche Risiken zu bergen.

Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Kind, säßen ohnehin schon mehrere Stunden am Tag mit Maske an einem kleinen Tisch in einem Raum mit 12 bis 15 anderen Kindern, alle maskiert, alle mit Abstand, alle mit Angst. Vor Ihnen liegt nun ein Test, ein Stäbchen, das man sich in die Nase schiebt. Sie sind ein Kind, wissen nicht, wie weit das Ding überhaupt rein muss oder wie es funktioniert. Sie wissen nur eins: Es darf nicht positiv sein. Dieses kleine Ding darf nicht positiv sein. Und dann stellen Sie sich vor, es sei doch positiv. Nicht vergessen: ein Kind. Ein Kind, das jetzt mit Absonderung, Stigmatisierung und Quarantäne bestraft wird.

Ein Kind, das herausgeführt und abgeholt, erneut getestet und erneut in Isolation geschickt wird, und vor dem plötzlich alle seine Mitschüler noch größere Angst haben als ohnehin schon.

Diese Angst bei Kindern und ihren Eltern ist einer der größten Kollateralschäden dieser Pandemie,

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