Die stille Universität

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15-04-21 06:01:00,

Der nachstehende Text ist der Folgeartikel zum offenen Brief, den Studenten der Freien Universität (FU) Berlin an den Präsidenten ihrer Uni im Februar geschickt haben. Dieser Brief blieb bisher unbeantwortet. Offenbar ist daher davon auszugehen, dass der in diesem Brief geforderte Debattenraum zu den Corona-Maßnahmen nicht erwünscht ist. Die Uni schweigt seit März 2020, eine Kommunikation findet im Grunde nicht statt.

Zumindest nicht, wenn es sich bei den Fragenden um die eigenen Studentinnen und Studenten handelt. Der Journalist Gunnar Schupelius, der den offenen Brief auch in seiner Kolumne (1) erwähnte und die Politik der FU Berlin mit deutlichen Worten kritisierte, schrieb die Uni an. Auch wenn die Antwort, wie er schrieb, nicht zufriedenstellend war, bekam er im Gegensatz zu den Initiatoren des offenen Briefes wenigstens eine Antwort.

Dass eine Diskussion über die Corona-Maßnahmen in den Unis schwierig sein würde, zeichnete sich auch schon vorher ab. Denn schon bevor der offene Brief überhaupt entstand, wurde der Psychoanalytiker Professor Dr. Klaus-Jürgen Bruder an der FU Berlin von dem Dekan des Fachbereichs Erziehungswissenschaft und Psychologie dafür kritisiert, E-Mails „zum Thema COVID-19 u.a. über [den] FU-Account“ verschickt zu haben.

Aus diesem Grund wurde Herr Bruder aufgefordert, den „E-Mail-Account künftig nicht mehr für derlei Mails zu verwenden“. Abschließend wurde, sollte Herr Bruder „dem nicht nachkommen“, noch mit „Konsequenzen in Bezug auf Ihr Mitgliedschaftsverhältnis“ gedroht. Auch hier wird deutlich, dass eine mögliche Diskussion über das Thema COVID nicht erwünscht ist.

Die Maßnahmen müssen von allen Beteiligten einfach hingenommen werden. Jede Frage nach der Begründung der Maßnahmen in mehreren Mails von mir an die Uni blieb unbeantwortet. Das verwundert. Denn obwohl die Studenten von den Corona-Maßnahmen betroffen sind, will ihnen gleichzeitig niemand sagen, auf welcher Basis diese Maßnahmen überhaupt getroffen wurden.

Welchen Schluss sollen die Studenten daraus ziehen? Sie werden im Studium immer wieder daran erinnert, nach wissenschaftlichen Kriterien zu arbeiten, damit sie das, was sie schreiben, auch begründen können. Doch offenbar gelten diese Kriterien nicht für alle.

Als ich dem Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Peter-André Alt — ehemaliger Präsident der FU Berlin von 2010 bis 2018 —, am Freitag, dem 5. März 2021, den Text des offenen Briefes schickte, so wie er auf Rubikon abgedruckt zu finden ist (siehe oben), antwortete die HRK noch am selben Tag mit einer Pressemitteilung.

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