Das Cluster

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16-04-21 08:21:00,

Folge 1:
Vorworte
Vorgeschichte

Beginn Tagebuch: Erstes Treffen hinter Glas; Kein Platz für uns in dieser Welt; Welch ein herrlicher Frühlingstag im Krieg

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Zu Ehren von Dr. Friedrich Lautemann

der am 30. Juni 2020 infolge der Zwangsmaßnahmen,
des staatlich verordneten Lockdown,
im Seniorenheim Haus Rixdorf, Neukölln, verstarb.

Dr. Friedrich Lautemann war Rechtsanwalt, Schriftsteller und Publizist.

In seinen letzten Lebensjahren war er an Demenz erkrankt.
Er hinterließ zwei Kinder, vier Enkel und seine
liebende Gefährtin.

Der Lockdown war ein großes Unrecht.

Mit seiner Stimme und seinem freiheitsliebenden Herzen fordere ich eine konsequente Aufklärung des Unrechts staatlicher Maßnahmen in der Corona-Pandemie und deren Folgen während des Lockdowns im Frühjahr 2020.

Sabine Lange, Februar 2021

In seiner letzten Stunde … durfte ich endlich bei ihm sein. Ich konnte seine Hand halten. Ich konnte noch einmal seine Lippen mit Erdbeermus benetzen, den er so gerne aß. Ich durfte jetzt bei ihm sein. Als es sich abzeichnete, dass er nicht mehr lange zu leben hatte, ließ man mich endlich zu ihm. Aber welch ein Kraftakt war das bis dahin, welch eine Marter. Welch ein Martyrium, es bis hierher zu schaffen, bei meinem sterbenden Liebling sein zu dürfen. Mit welchen Bittgängen, mit welchen seelischen Qualen und Auseinandersetzungen und immer wieder Warten und Getrenntsein, musste ich die letzten Tage überstehen.

War es nicht schon genug, den absehbaren Tod meines Freundes vor Augen zu haben, hat das nicht schon alle seelische und körperliche Kraft aufgebraucht? Musste daneben auch noch ein völlig sinnloses Gefecht mit den Aufsehern und Technokraten des Heimes und mit Behörden ausgetragen werden?

Ich wollte, dass seine letzten Tage und Stunden voller Harmonie sind, voller Harmonie.
Und ich wollte bei ihm sein.

Im Nachhinein plagen mich Schuldgefühle, dass ich nicht rigoroser vorgegangen bin, dass ich mich am Telefon immer wieder habe hinhalten lassen. Ich spürte doch die unsagbare Wut in meinem Bauch, den Groll in meinem Herzen, die unsagbare Traurigkeit, wenn mein Wunsch, Friedrich zu sehen, mit Verweis auf die begrenzten Besuchszeiten einfach abgelehnt wurde.

Ich hätte losschlagen müssen. Schreien! Ich malte ein Schild, mit dem ich mich vor das Heim setzen wollte: „Lasst mich zu meinem Mann.“

Ich setzte mich nicht vor das Heim.

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