Die verpasste Chance

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16-04-21 08:33:00,

Nach dem Amtsantritt des US-Präsidenten Joe Biden verschlechterten sich ohnehin extrem schwierige Beziehungen zwischen den größten Atommächten USA und Russland im atemberaubenden Tempo und sind nun auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Die Ukraine verwandelt sich wieder in einen militärischen Schauplatz — mit zunehmender Beteiligung der NATO. Durch Europa will die USA den Druck auf Russland erhöhen und ihre militärische Präsenz dort sichern und vielleicht sogar ausbauen. Der Besuch des Pentagon-Chefs in Deutschland diese Woche ist ein Zeichen dafür. Das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 wird von den USA weiterhin torpediert.

Der russische Präsident Wladimir Putin, der sich gerne germanophil zeigt, ging lange davon aus, dass Deutschland eine Art Anwalt Russlands in Europa sei — trotz Westbindung des Landes. Das deutsche Image war in Russland dementsprechend außerordentlich gut. Doch die Beziehungen zu Russland kühlen sich in Deutschland seit Jahren kontinuierlich ab.

Gerade angesichts der angespannten Situation in Europa ist es aber wichtig, sie zumindest auf dem erreichten Niveau aufrechtzuerhalten. Dafür setzt sich der Politwissenschaftler und Buchautor Alexander Rahr ein.

Viele Jahre arbeitete der russischstämmige Experte in verschiedenen Gremien, die zur Aufgabe hatten, die deutsch-russische Verständigung in Politik und Gesellschaft zu vertiefen. Er war Zeuge davon, wie prägend die Aufbruchsstimmung in den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre in den deutsch-russischen Beziehungen war. Und er musste zusehen, wie unaufhaltsam sie bis zu dem heutigen Krisenzustand degradierten. In seinem neuen Buch fragt er sich: Sind sie noch zu retten?

Es gibt nicht wenige Bücher, die diesem Thema gewidmet sind, die von den Politikern oder Journalisten der älteren Generation geschrieben sind — zu nennen sind die Bücher von Matthias Platzeck, Wolfgang Gehrke, Gabriele Krone-Schmalz, Wolfgang Bittner und anderen.

Aber etwas macht Rahrs Buch so besonders: Sein Werk ist bewusst kritisch verfasst — kritisch gegenüber Deutschland und seiner politischen und medialen Klasse, die die Geschicke des Landes bestimmt.

Seine Haltung teilt der Autor bereits im Buchtitel mit: „Anmaßung. Wie Deutschland sein Ansehen bei den Russen verspielt“. Die Kritik dient aber einem guten Zweck: „Das vorliegende Buch ist ein Schrei des Verzweifelten: Rettet die deutsch-russischen Beziehungen! Gerade darum ist es wichtig, den russischen Blick auf Deutschland ernsthaft zu prüfen“, so Rahr in der Einführung.

Gewiss, in einem Konflikt ist es wichtig, beide Seiten mit ihren Wahrheiten anzuhören. Dass die deutsch-russischen Beziehungen derzeit konfrontativ sind,

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