Spanien – Lithium-Schatz im Biotop

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16-04-21 08:09:00,

Spanien Bürger wehren sich gegen eine Mine in den Bergen bei Cáceres. Auch die UNESCO ist alarmiert, die Altstadt ist Weltkulturerbe

Lithium-Schatz im Biotop

Wie es aussehen könnte: im Hintergrund die Landschaft bei Cáceres, davor die Lithium-Mine von Greenbushes (Australien)

Fotos: Cristina Quicler/AFP/Getty Images, Carla Gottgens/Bloomberg/Getty Images

Unheimlich wirkt der langsam über der Sierra de la Mosca kreisende Schwarm der Schwarzgeier. Die Tiere lassen das Herz von Naturfreunden höher schlagen, zählen sie doch zu einer seit Längerem bedrohten Vogelart. Ende Januar übergab die Zoologische Gesellschaft Extremaduras der Regionalregierung ihren Bericht, dem zu entnehmen war, dass in der grünen Oase vor den Toren der Stadt Cáceres auch Schwarzstörche, Kaiseradler und andere seltene Arten wieder gesichtet wurden. Für Zoologen sind das Gründe genug, die kleine Hügelkette zum Schutzgebiet zu erklären. Doch könnte statt eines solchen Biotops bald ein riesiger Krater klaffen. Im Naturpark wird Europas zweitgrößte Lithium-Lagerstätte vermutet. Ein Joint Venture namens Tecnologia Extremeña del Litio will das begehrte Metall im Tagebau fördern und vor Ort zu batterietauglichem Lithiumhydroxid verarbeiten. Hinter dem sperrigen Namen stehen das australische Unternehmen Infinity Lithium und der spanische Baukonzern Sacyr, der über seine Bergbautochter Valoriza Minería beteiligt ist.

Übrig blieb Giftschlamm

Keinen Kilometer von der geplanten Abbaustelle entfernt stößt man auf eine Wohnsiedlung. Der Wallfahrtsort von „La Virgen de la Montaña“, der Schutzpatronin von Cáceres, liegt 500 Meter weit weg und die als UNESCO-Weltkulturerbe gelistete Altstadt nur drei Kilometer. „Mir ist weltweit keine Mine bekannt, die so nah an einer 100.000-Einwohner-Stadt liegt“, sagt Santiago Marquez. „Was passiert, wenn eines Tages alles ausgebeutet ist und das Land nicht mehr nutzbar sein wird? Wer garantiert uns, dass der Betrieb aufrechterhalten wird und nicht wegen eines Preisverfalls vorzeitig schließt, wie es in Aguablanca mit der Nickelmine passiert ist?“ 2016 stellte Rio Narcea Recursos, ebenfalls eine Tochtergesellschaft von Sacyr, den Abbau des Rohstoffs gut 200 Kilometer südlich von Cáceres vorzeitig ein. Die Nickelpreise seien zu stark gefallen, so die Begründung. Es blieben ein 300 Meter tiefes Loch, ein See mit Giftschlamm, eine Abraumhalde und 300 Arbeitslose.

Der Blick vom felsigen Bergrücken reicht weit in alle vier Himmelsrichtungen, Santiago Marquez geht in die Knie, um ein paar Steinbrocken in die Hand zu nehmen: Quarzit ist ein sehr hartes, widerstandsfähiges Gestein. Man werde viel Dynamit brauchen, um hier Lithium zu gewinnen. Darauf sei in einer Umweltverträglichkeitsstudie verwiesen worden,

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