Die Normalität des Bösen

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23-04-21 12:37:00,

von Gérard Naziri

OFFENER BRIEF AN DEN HESSISCHEN INNENMINISTER PETER BEUTH 

Herrn Innenminister Peter Beuth 
Hessisches Ministerium des Innern und für Sport 
Friedrich-Ebert-Allee 12 65185 Wiesbaden 
Wiesbaden, den 19. April 2021   

Sehr geehrter Herr Innenminister Peter Beuth,   

ich war am 17. April 2021 Teilnehmer an der Demonstration auf den Reisinger Anlagen in Wiesbaden, die vorzeitig nach gerade einmal einer Stunde beendet wurde. Aus welchem Grund und ob von der Polizei oder nach polizeilichem Druck auf den Versammlungsleiter war für mich aufgrund der Entfernung zum Geschehen und der Geräuschkulisse, die es selten zuließ, den Sprechern der Demonstration oder den Durchsagen der Polizei zu folgen, schwer zu erkennen. Seinem Anliegen dennoch Gehör zu verschaffen und einen Rest an demokratischem Protest für sich zu beanspruchen, setzte sich ein Großteil der Versammlungsteilnehmer Richtung Luisenplatz zu der anderen genehmigten Veranstaltung in Bewegung.  

Die Polizei hatte den Weg mehrmalig blockiert und die Menschen damit auf den 1. Ring geleitet, wo sie diese dann ohne weitere Warnung vor dem Landeshaus einkesselte. Was sich im Folgenden ereignete, hätte ich vor einem Jahr in diesem Land, in dem ich mich immer wohlgefühlt hatte, niemals für möglich gehalten. Es wurden über 500 Menschen über mehrere Stunden gegen ihren Willen festgehalten. Welchem Zweck diese Maßnahme diente und von welcher Dauer sie sein würde, konnte durch die Polizeibeamten nicht beantwortet werden.

Auch meine Versuche, mit einem polizeilichen Kommunikator in Kontakt zu kommen, waren über die gesamte Zeit der Einkesselung vergeblich. Die eingeschlossenen Menschen über Stunden vorsätzlich darüber im Ungewissen zu halten, schien Methode zu sein. Der Wasserwerfer wurde bald in Stellung gebracht. Diese Drohkulisse brachte vorübergehend Mütter in Panik, die ihre kleinen Kinder in den anderen Teil des eingekesselten Bereichs brachten.

Ebenfalls verunsicherte der Moment, als die Polizeibeamten plötzlich synchron und ohne erkennbaren Anlass ihre Helme aufsetzten, als würden sie sich für eine wie auch immer geartete Aktion rüsten, die glücklicherweise ausblieb. Auf Nachfrage bestätigten die Beamten, eine Anweisung dazu bekommen zu haben. Menschen begannen zu frieren, da es stetig kühler wurde, wurden von etwaigen Terminen, wie in meinem Falle einem beruflichen, abgehalten.

Weitere unschöne Szenen spielten sich ab. Verzweifelte Frauen, den Tränen nahe, weil sie ihre Notdurft nicht verrichten konnten.

In Stuttgart wurden immerhin mobile Toiletten bereitgestellt. 

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