Sog aus der Zukunft

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23-04-21 12:20:00,

„Erst das Ereignis, dann die Geschichte“ — so formulierte Daniele Ganser einmal pointiert das kleine Einmaleins aller historischen Forschung. Damals ging es um die berüchtigte Meldung zu WTC7 und dessen tatsächlichen Einsturz 20 Minuten später. Nun, selbst von solch lobenswerter Haltung geleitet, ist eine neutral objektive Historik bekanntlich ein selten erreichtes Ideal, wenn nicht gar reines Wunschdenken, denn allzu oft sieht es ganz anders aus — in den Geschichtsbüchern —, bezüglich der wirklich großen Epen der Zeit gilt allzu oft die lakonische Formel: Die Sieger schreiben die Geschichte. Doch nun scheint selbst dieses Diktum zu wanken und einer völlig neuen Ära Platz zu machen,

in der es Leute gibt, die schreiben
erst die Geschichte, dass sie siegen werden —
und dann siegen sie …

Scripted Reality scheint de facto in der Realität angekommen, also in der echten, in der Real Reality, also dieses Zeug, ganz ohne Bildschirm und so, wie hieß es noch mal — ach ja, Wirklichkeit!

Wenn man sich da doch wenigstens in der heilen Welt der Lindenstraße wähnen könnte. Denkwürdig der Moment seinerzeit, als ich am Radio Zeuge wurde, wie eine Hörerin am Telefon eine Schauspielerin im Studio in ihrer Lindenstraßenrolle ansprach:

„Ich wollte Ihnen nur mal sagen, SIE MACHEN DAS GANZ, GANZ TOLL. LASSEN SIE SICH NICHT UNTERKRIEGEN!“

Böses, Dunkles, Finsteres schwante mir damals. Böses, Dunkles, Finsteres musste uns bevorstehen, wenn wir weitergehen auf diesem Pfad des gesellschaftlich medialen Gonzotrashs. Doch die Heile-Welt-Kuschel-Seifenoper mit ihrem rituell zelebrierten Cliffhangerfinish lief bekanntlich im März 2020 — welch Sinnbild! — nach 30 Jahren aus, und die bittere Wahrheit ein Jahr später ist: Wir sind wohl kollektiv angekommen in der perfekt inszenierten Welt der Trumanshow.

Muss man es so drastisch formulieren? Immerhin schaffte der gute Truman ja noch das Happy End und fand den Ausweg aus seinem sinistren TV-Knast, aber das war eben Hollywood.

Man muss nicht unter Beziehungswahn leiden, um auf die Idee zu kommen, dass Corona-world Elemente der maximal abgründigen Mediensatire mit Jim Carrey aus dem Jahr 1998 aufweist. Wie im Film scheint die Story, der große Plot von heute, längst vorgescripted, und Details werden spontan dazugescripted. Was nicht passt, wird husch, husch beigescripted. Und springt die Nadel mal allzu krass auf dem Plattenteller des Propaganda-Pop,

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