Das ursprüngliche Bedürfnis dazuzugehören | KenFM.de

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26-04-21 12:52:00,

Menschen wollen „dazugehören“, um ihrer Angst vor Verlassenheit Herr zu werden — dies führt oft dazu, dass sie der falschen Herde folgen.

Ein Beitrag von Bastian Barucker.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist evolutionär gesehen überlebenswichtig. Nur wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind, können wir uns sicher und geborgen fühlen. Gerät diese Zugehörigkeit jedoch in Gefahr, bekommen wir Angst und gehen in Resonanz mit unserer eigenen Lebensgeschichte. Unsere frühkindlichen Erfahrungen der Verlassenheit haben wir mithilfe aufwendiger Strategien abgespalten und verdrängt. Trotzdem wirken sie unbewusst in unser erwachsenes Alltagsleben hinein und erschaffen wiederkehrend die gleichen Konflikte. Die Integration unserer individuellen Vergangenheit ist ein notwendiger Schritt hin zu persönlicher Veränderung und konstruktivem gesellschaftlichem Wandel.

Im Spiegel der Wildnis

Lassen Sie mich mit einer ganz persönlichen Geschichte beginnen. Vor etwa 14 Jahren lebte ich zusammen mit einer Gruppe von Wildnisinteressierten für ein Jahr permanent in der Wildnis Nordamerikas (1). Wir wollten herausfinden, wie ein primitives Leben — im Sinne von „eingeboren“ — im Wald fast ohne moderne Hilfsmittel funktionieren kann. In dieser besonderen Wildnissituation erlebte ich am eigenen Leib, dass mein Leben von der Zugehörigkeit zur Gruppe abhängt, da ich alleine nicht zu überleben in der Lage gewesen wäre.

Wir lernten die notwendigen handwerklichen Fertigkeiten des Wildnislebens, und nach einigen Wochen wurde uns klar, dass die größte Herausforderung von allen das gemeinschaftliche Zusammenleben ist! Durch unsere alltäglichen Interaktionen und Versuche absolut aufrichtiger Kommunikation merkten wir, dass sich gewisse Konfliktdynamiken immer wieder auf die gleiche Art und Weise entfalteten und dass jeder einzelne diese Konflikte bereits aus seinem Leben vor der Wildnis kannte. Meiner Einschätzung nach werden in der frühen Kindheit erlebte negative Erfahrungen im Erwachsenenleben als wiederkehrende Muster unbewusst aufs Neue inszeniert (2).Mir wurde deutlich, dass eine ehrliche Kommunikation und insbesondere die Arbeit an der eigenen prägenden Biografie die wichtigsten Fähigkeiten sind, um mit meiner Gruppe in freier Natur gut leben und überleben zu können. Denn nur durch diese Spurensuche wird es möglich, das eigene Verhalten zu ändern. Der westlich geprägte Mensch ist so stark daran gewöhnt, seine Umwelt zu manipulieren und zu dominieren, dass er den Königsweg eines ausgeglichenen Lebens vergessen hat. Eine weitere grundlegende Erkenntnis aus dem Leben in der Natur ist, dass nur durch eine bestmögliche Anpassung an ihre Rhythmen ein gutes Leben möglich ist.

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