Don‘t feed the Troll!

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27-04-21 11:44:00,

Sie sind überall. Auf jeder virtuellen Plattform mischen sie mit. Sie verbreiten Anspannung und schlechte Stimmung und bringen uns systematisch gegeneinander auf. Egal worum es geht — die im Internet zündelnden Trolle beschimpfen, beleidigen und hetzen mit einem einzigen Ziel: die Menschen zu spalten.

Seit unsere Kommunikation über Maschinen läuft und wir uns hinter Bildschirmen verbarrikadieren, sind unsere Waffen noch subtiler geworden, heimtückischer, verschlagener. Es sind ja „nur“ Worte, die abgeschossen werden, ein paar aneinandergereihte Buchstaben, kurz aufflackernde Bilder. Hinterher kann man immer sagen, dass es ja so nicht gemeint war, und sich aus der Verantwortung stehlen. Derjenige, den die Verletzung in den Ruin oder sogar in den Selbstmord getrieben hat, war dann eben zu sensibel.

Dass Worte Leben verändern, ist eine Erfahrung, die wir täglich machen. Ein freundlicher oder ein mürrischer Gruß, ein Ja oder ein Nein, ein „Es ist aus“ oder ein „Ich liebe dich“ geben unserer Existenz eine völlig andere Richtung. Es ist nicht egal, mit welchen Worten wir einander begegnen. Worte beeinflussen unser Verhalten und unser Leben. Die Inhalte, die über unsere Bildschirme flackern, sind daher alles andere als harmlos. Sie schaffen Realitäten.

Durch das Netz, das einmal dafür geschaffen wurde, die Welt miteinander zu verbinden und uns einander näherzubringen, flimmern unzählige Informationen. Meme entstehen, kleine, künstlich geschaffene Bewusstseinsinhalte, aus dem Kontext gerissene Bilder, Texte, Zeichnungen und Animationen, deren scheinbar beliebige Inhalte nur assoziativ verstanden werden können und die sich in unsere Köpfe einprägen. Je häufiger uns bestimmte Inhalte begegnen, desto realer und damit auch wahrer erscheinen sie uns.

Über neuronale Verknüpfungen entstehen in unserem Gehirn regelrechte Gedankenautobahnen. So wie wir früher dachten, die Erde sei eine Scheibe und die Frau dem Manne untertan, so denken heute die meisten Menschen, dass es eine Pandemie gibt, dass Impfen dagegen hilft und uns unsere Freiheiten zurückgibt. Wer diese vorherrschende Meinung infrage stellt, ist ein Rechtsextremist, ein Terrorist, schlimmer: ein Antisemit!

Dieser Schlag sitzt im deutschen Volke. Tiefer können wir einander nicht treffen. Seit Ende des letzten Jahrtausends der Anwalt und Sachbuchautor Mike Godwin den Begriff des Godwin Gesetzes prägte, wird diese Keule nicht nur in den virtuellen Netzwerken geschwungen. Längst ist sie auch in unsere Küchen und Wohnzimmer eingezogen, so wir sie noch für unsere Nächsten öffnen. Das Godwin-Gesetz, nach dem mit zunehmender Dauer eines Gesprächs die Wahrscheinlichkeit steigt,

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