Intellektuelle Selbstdemontage

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28-04-21 03:21:00,

von einem Soziologiestudenten

Soziologie und Philosophie haben auch gesellschaftskritische Funktionen. Ein Zentralthema in vielen ihrer Arbeiten bilden schon seit geraumer Zeit die US-amerikanische Silicon-Valley-Ideologie und ihre menschenfeindlichen Visionen. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Kritik ist Jürgen Habermas. Er beschreibt den Posthumanismus beziehungsweise Transhumanismus als eine liberale Eugenik, „die den Menschen aus Fleisch und Blut zum Auslaufmodell verurteilt“ (1). Man möchte meinen, auch in Zeiten von Corona habe diese Thematik bei den beiden genannten Geistes- und Gesellschaftswissenschaften höchste Priorität — doch dem ist leider nicht so.

Interessanterweise ist dieser Zustand der akademischen Selbstzensur zusammen mit dem ersten offiziellen Lockdown eingetreten. Denn sichtet man die soziologischen und philosophischen Untersuchungen ab März 2020 bis heute, dann stellt sich heraus, dass trotz dieses einjährigen Zeitraums und trotz der überfallartigen Digitalisierungswelle zeitgemäße kritische Thesen über die Silicon-Valley-Ideologie relativ rar geworden sind. Ihre wissenschaftlich begründeten Zweifel an den antihumanistischen Zielen von Google, Apple, Facebook, Microsoft, von Ray Kurzweil, Bill Gates, Mark Zuckerberg und anderen haben sich mit einem Schlag verflüchtigt. Es ist vor allem die medial allgegenwärtige Persona Bill Gates, die dem transhumanistischen Menschenüberwindungskonzept von Ray Kurzweil, dem Chefingenieur von Google und selbst ernannten prätorianischen High-Tech-Hohepriester, mit großen Tönen in der Öffentlichkeit huldigt.

Dementsprechend ist in Kurzweils Buch „Menschheit 2.0. Die Singularität naht“ ein vielsagender Kommentar von Gates zu lesen:

„Ray Kurzweil ist der beste Mensch, den ich kenne, um die Zukunft der künstlichen Intelligenz vorherzusagen. Sein faszinierendes neues Buch sieht eine Zukunft voraus, in der Informationstechniken so weit und so schnell entwickelt werden, dass sie der Menschheit erlauben, ihre biologischen Grenzen zu überwinden und unser Leben auf eine Weise zu verändern, die wir uns noch nicht vorstellen können“ (2).

Dass der Transhumanist Bill Gates — übrigens ein bedeutender Geschäftspartner unserer Bundesregierung in Sachen Corona-Impfstoff — Begrifflichkeiten wie „biologisch“ und „Grenzen“ erwähnt, ist kein Zufall.

Entsprechend den Analysen vieler sachkundiger Soziologen und Philosophen sieht die transhumanistische Ideologie die biologische Natur des Menschen als ein lästiges Hindernis, eine Beschränktheit, welche zunächst genetisch neuprogrammiert werden muss, um dann eine cyborgartige Verschmelzung von Mensch und Maschine einzuleiten. Letztlich soll der Mensch in naher Zukunft für eine überlegenere, hypertechnologisierte Halbroboterzivilisation — in der ausgewählte Eliten Unsterblichkeit erlangen — mit Hilfe von Nanotechnologie, biotechnischer Genforschung, Human Enhancement und künstlicher Intelligenz abgeschafft werden (3).

Und gerade jetzt,

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