“Reporter ohne Grenzen” – eingebettete NGO mit Agenda

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28-04-21 03:24:00,

28 Apr. 2021 08:15 Uhr

von Gert Ewen Ungar

Die NGO “Reporter ohne Grenzen” veröffentlicht einmal im Jahr ein medial weit beachtetes Ranking, in dem die Länder dieser Welt nach dem Stand ihrer Pressefreiheit gelistet werden. Die Kriterien seien objektiv und transparent. So lasse sich für politisch Interessierte ganz einfach ablesen, wie es um den Journalismus in den jeweiligen Ländern bestellt ist. Darüber hinaus entsteht als positiver Nebeneffekt ein Wettbewerb um einen besseren Platz. 

Das Ranking gilt daher als Maßstab und wird auch vielfach zitiert, in Diskussionen herangezogen, und es gilt als fundierter Beleg in der Argumentation, wenn es um die Situation hinsichtlich der Grundrechte in einzelnen Ländern geht. 

Reporter ohne Grenzen: Deutschland fliegt aus Spitzengruppe der Pressefreiheit-Rangliste

In diesem Jahr hat sich Deutschland um zwei Plätze verschlechtert und landet auf dem 13. Platz. In Irland ist die Presse etwas freier, in Kanada ist sie etwas unfreier. Sie belegen den Platz vor und den Platz hinter Deutschland. So einfach ist das, zumindest erscheint es so.

Denn so simpel und griffig das alles auf den ersten Blick wirkt, so problematisch ist es auf den zweiten. Dieser zweite Blick ist aber notwendig, denn dann lässt sich aus dem Ranking etwas über den Zustand des Westens, insbesondere über den Zustand vermeintlich unabhängiger NGOs ablesen, zu denen auch “Reporter ohne Grenzen” zählt. Über den tatsächlichen Stand der Pressefreiheit sagt der Index jedoch leider nichts. 

Um zu dieser Einsicht zu kommen, muss man die Liste etwas genauer in Augenschein nehmen. Zunächst soll es dabei um die baltischen Länder gehen: Lettland, Estland und Litauen werden relativ weit vorn, im ersten Drittel des Rankings eingestuft. Die Länderportraits auf der Seite von “Reporter ohne Grenzen” sind überwiegend positiv, es gibt lediglich ein paar leichte Schatten. “Die Medienlandschaft in Estland ist vielfältig und bildet ein breites Meinungsspektrum ab”, heißt es da. Entsprechend findet sich Estland relativ weit vorne auf Platz 15 – von den insgesamt 180 Plätzen. Über Lettland, das auf Platz 22 gesetzt ist, erfährt der Leser, dass dort die Presse- und Meinungsfreiheit garantiert sind und die Medien ein breites Themenspektrum abbilden. Auf Platz 28 findet sich schließlich Litauen. Über dieses Land heißt es: “Außer dem staatlichen Rundfunk existieren in Litauen mehrere private Radio- und Fernsehsender sowie rund 300 Zeitungen. Sie geben ein breites Meinungsspektrum wieder und können auch die Regierung kritisieren.” Lediglich die unklaren Besitzverhältnisse trüben das Bild. 

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