Die Test-Inzidenz-Spirale

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01-05-21 12:59:00,

Wer die Gefährdungslage durch ein Coronavirus als bedrohlich bezeichnet, der muss von richtigen Inzidenzzahlen ausgehen. Diese richtigen Zahlen zu liefern, ist das Robert Koch-Institut (RKI) per Gesetz verpflichtet. Das gilt besonders dann, wenn das Diktat des Gesetzes alles von einer solchen Inzidenzzahl abhängig macht. Wenn das RKI also eine bestimmte Inzidenzzahl von „Neuinfizierten“ pro 100.000 Einwohner angibt, so müssen mit dieser Zahl, der einzigen, die öffentlich erhoben wird, alle „Neuinfizierten“ gemeint sein!

Eine Inzidenzzahl von 100 heißt dabei, dass innerhalb von sieben Tagen von 1.000 Einwohnern einer ein „Neuinfizierter“ ist. Da man höchstens von vierzehn Tagen Infektiosität ausgehen kann, und Infizierte ja nur eine Rolle spielen, wenn sie auch wirklich infektiös sein können, kann es also nicht mehr als maximal zwei „Erkrankte“ pro 1.000 geben. Nur diese zwei möglicherweise Infektiös-Erkrankten können definitionsgemäß die Grundlage der Prävalenz bilden. Das heißt, die Prävalenz kann also nur 0,2 Prozent betragen, was ein sehr niedriger Wert ist. Bei so geringer Prävalenz entstehen — wissenschaftlich völlig unbestritten — bei Testungen, die niemals hundertprozentig genau sein können, notwendigerweise in großer relativer Zahl falsch-positive Ergebnisse.

Dies gilt auch, wenn die Fehlerrate der Testungen — fälschlich — als gering angenommen wird, also die Spezifität angeblich hoch sei. Dies ist deshalb so, weil bei einer sehr großen Zahl von Gesunden auch schon eine geringe Fehlerrate relativ sehr viele Falsch-Positive, also eine hohe Falsch-Positiv-Quote erzeugt. Folglich kann es gut sein — und man muss davon ausgehen —, dass der größte Teil der „Neuinfizierten“ in Wahrheit nur Falsch-Positive sind, was wir in der Realität auch vielfach erleben können, und was dann aber auch folglich auf die Wahrnehmung der Situation auf den Intensivstationen und bezüglich der Sterbefälle entsprechende verfälschende Auswirkungen hat.

Die Hauptursache des krass verfälschten öffentlichen Bildes entsteht in dieser Erklärungskette aus der großen Zahl der Falsch-Positiven. Wenn man sich jedoch verleiten lässt, alles durch die Test-Brille zu sehen, so kritisiert man vielleicht vor allem, dass zu ungenau oder zu wenig getestet wird. In der Folge möchte man vielleicht noch viel mehr Testungen machen und bemerkt nicht, dass man so das Problem verstärkt, weil es dann noch viel mehr Falsch-Positive geben wird.

Der Artikel beschäftigt sich mit diesen Fragen, wobei er auf verschiedene Blickwinkel der Kritik Bezug nimmt.

Zu dem Artikel „Selbstdemontage“ (1) hat es zum Teil deutliche Kritik aus der Leserschaft von Rubikon gegeben.

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