Die Lust am Unterdrücken

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04-05-21 02:31:00,

Wer hat das schon mal erlebt: ein Chef, seltener eine Chefin, oder ein Vorgesetzter, der einen „rundmacht“, herunterputzt, anschreit, lauthals schimpft, seine Wut oder Dampf ablässt? Ich selbst habe das oft erlebt. Es gibt unzählige Schilderungen von Betroffenen dazu. Vor allem in Konzernen und Unternehmen, aber auch im Militär und anderen straff organisierten Großorganisationen habe ich den Eindruck, ist das durchaus verbreitet.

Aber nicht nur im Berufsleben gibt es das. Machtpositionen scheinen häufig das Tor zu aggressiven Gefühlen zu öffnen. Die Geschichte ist voll von Tyrannen, Diktatoren, Usurpatoren oder Machtmenschen, die oft grausame Herrschermethoden anwenden, von Einsperren, Enthaupten, Erschießen über Misshandlungen aller Art von Untergebenen, sowohl eigene Untertanen wie erst recht von Gefangenen, Feinden oder Andersdenkenden. Manchmal wurde auch einfach der Überbringer von schlechten Nachrichten kurzerhand einen Kopf kürzer gemacht. Das gilt nicht nur für weit zurückliegende Zeiten, sondern durchaus auch für die jüngere und jüngste Geschichte. Von Nero über Napoleon, Mussolini, Hitler, Stalin, Mao bis Pinochet oder Pol Pot wissen viele Milliarden Menschen ein trauriges Lied davon zu singen.

Auch in anderen Lebensbereichen, im tagtäglichen Leben existiert es. Ich hatte zwei Lateinlehrer. Der eine schrie immer wieder in der Klasse herum, ließ Liegestützen und Kniebeugen machen und hatte ganz offensichtlich seine Freude an seinen tyrannischen Auslassungen. Ein paar sensible Mädchen hielten das nicht aus und fielen wegen Latein durch. Der andere Lateinlehrer hatte einen stark sadistischen Hang, verteilte mit süffisantem Grinsen und großer Freude die schlechten Noten und kündigte im Voraus an, wer am Schuljahresende durchfallen werde. Das kam auch tatsächlich so. Also auch manche Lehrer, die ja in Machtpositionen gegenüber Schülern sind, haben und leben manchmal eine sadistische Ader.

Was ich damit sagen will:

Mit der Macht, mit Machtpositionen scheint häufig die Lust am schlechten Behandeln anderer Menschen, an Unterdrücken, an Sadismus, am Schaden-Wollen anderer, Hand in Hand zu gehen.

Ich gehe aber davon aus, dass es vermutlich vor allem andersherum gilt: Machtmenschen haben häufig einen starken Instinkt oder Trieb zu Unterdrückung, Sadismus, zum Schaden-Wollen, zum Böses-Tun und sie versuchen daher, in Machtpositionen zu kommen, um diesen Trieb auszuleben.

Und hier komme ich zu meinem eigentlichen Thema. Die allermeisten Menschen glauben, dass schädliche Motive, der aktive oder bewusste Wille zum Schaden, mephistophelische Regungen, nicht sehr weit verbreitet sind. Das mag für die meisten Menschen stimmen. Aber für manche Personenkreise stimmt es ganz gewiss nicht.

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